Der Werth wohlgewogncr Neigungen, sz
das Schone und Regelmäßige in seiner übereinstimmen-den Lage eine gewisse Freude zeigt, indem alle Theile mitmöglichster Bequemlichkeit einander zu tragen, und mitfreundschaftlichen Kräften ihren Endzweck zu befördernscheinen: also belohnten auch hier die wohlgeordnetenNeigungen, welche mit der glücklichsten Eintracht, undohne sich einander zu zerstören, ihrer Richtung folgten,ihren Besitzer mit einer Freude welche sich durch ein re-flektirtes Gefühl verdoppelte. Diese Freude breiteteihre sanften Reizungcn über alle seine Pflichten aus;und so wie das Vergnügen allen Bewegungen des Kor-pers eine allgemeine Gefälligkeit mittheilt: so erhieltenauch seine Tugenden einen ungezwungenen und einneh-menden Anstand von der angebornen Leichtigkeit, womitsie ausgeübet wurden.
Gute Neigungen sind aber nicht zulänglich, einenMenschen in seiner Art groß zu machen, wenn sie nichtdurch den Schwung der Leidenschaften immer mehr undmehr erhoben werden. Die Leidenschaften sind nützlicheStürme, welche in die Neigungen, wie in gespannteSegel, blasen, und solche schneller, als die Wünscheder Thoren, in ihrer Richtung fortjagen. Diese ruhenniemals und leiden keine schlummernde Seelen. Diese,und nicht das Laster, machen einen Staat blühend. Sieglänzen in der Pracht des Weisen, verschwenden odergeizen im Thoren, siegen iin Helden, rasen im Tyran-nen, zittern im Weichling, dauren im Unglück, und be-fördern die Tugend im allgemeinen Verstände, nach wel-chem auch die Grausamkeit eine nothwendige Tugend derTyrannen ist. Gleichgültig in sich selbst, ist ihre Machtdem Tugendhaften nützlich, dem Thoren schädlich, unddem Bösen ein geflügeltes Mittel zum Ziel des Verder-bens. Ihr Gebrauch allein macht sie gut oder bose.
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