so Der Werth wohlgewogner Neigungen.
vollkommenen natürlichen Neigungen begaben wollen.Allein, der Schluß blieb doch immer richtig, daß wirnicht nöchig hatten sogleich in unsre Tugenden einen Ver-dacht zu setzen, wenn solche gleich aus unsern natür-lichvsllkommenen Neigungen ihren Ursprung genommen,und durch dieselben ohne Kosten und Muhe zu einer sol-chen Hohe getrieben worden, daß es dem menschlichenVerstände, außer der Religion, nicht möglich gewesengrößere Vollkommenheiten zu erreichen.
Wir vereinigten uns jedoch zuletzt dahin, daß dieUeberwindung einigen Werth behalten, und der Weise,welcher seine bösen Neigungen glücklich besiegte, befugtbleiben sollte, sich der süßem Ruhe zu überlassen, welcheden müden Sieger in der stillen Wohnung seiner Betrach-tungen bewillkommt. Dagegen aber sollte auch derzärtliche Freund, der großmüthige Wohlthäter, derstandhafte Patriot berechtigt sey», sich von den Rcizun-gcn seiner eignen Rcchtschaffcnhcit rühren zu lassen,wenn dieselbe gleich kein sclbsierworbnes kostbares Ver-dienst, sondern ein bloßer Adel des Geblüts zu nennenseyn möchte. Wir glaubten auch nicht, daß die Em-pfindung einer solchen Wollust, welche eigentlich denhöchsten Grad der sinnlichen Erkenntlichkeit gegen denallgemeinen Wohlthäter bestimmte, diesem mißfallenkönnte, da alle seine Gesetze lediglich zu unserm Vergnü-gen abzielten, und derselbe sich so bewundernswürdiggnadig gegen uns erwiese, daß er uns durch unendlicheAussichten einer ewigen Wollust — wozu? zu der an-genehmen Pflicht verbunden, uns vollkommncr, glück-licher und, nach einer nothwendigen Folge, auch ver-gnügter zu machen z da wir keine natürlichgute Hand-lung verrichten könnten, ohne nicht in ihr selbst und ih-ren Folgen neue Erweiterungen unsers Vergnügens zu
finden z