Iustus Mösers. 91
phie des Lebens welche nur in der wirklichen Welt er,langt wird. Daher findet man in Masers Schrif,ten nie weder den Dünkel noch die Einseitigkeit un-serer vielen theoretischen Stubengelehrten, welchenichts an sich und andern beobachten mögen, sondernohne Erfahrung, deren Werth sie nicht kennen,alles aus ihrem Gehirne herauszuklügeln vermeinenund daher weit suchen, ohne zuweilen sogar nur daszu treffen, was vor Augen liegt- Man findet beyMösern gründliche Gelehrsamkeit, selten aber in ge-lehrter Gestalt; nie die trockne Schulweisheit desKatheders, nie die beredtseynsollende Wortfülle derKanzel, oder den steifen Resolutionsstyl der Kanz-lei), sondern allenthalben die Stimme der reifen Er-fahrung, vereint mit dem schlichten gesunden Ver«stände, wodurch allein die menschliche Gesellschaftbesteht und regiert wird. Alles lebt in diesen Aufsä-tzen, allenthalben sehen wir ^die maimichfaltige wirk-liche Welt vor uns, alles können wir auf uns an-wenden, alles ist uns nahe ohne gemein zu seyn; undwo auch der Gegenstand gemein wäre, wird er geho-ben durch die Wichtigkeit des Einflusses den uns derSchriftsteller mit großer aber versteckter Kunst vordie Augen zu bringen weiß, und durch die mannich«faltige Art der Einkleidung, die dem Gegenstande sonatürlich zusagt, daß sie nicht für Einkleidung, son-dern für einen Theil des Gegenstandes selbst zu geltenscheint. Möser hatte die Gabe anmuthig zu seyn,doch nicht fade, munter zu seyn ohne Gernwitz,