seiner Empfindungen gelange. 5
Sache einzudringen. So wie ich eine Lieferung auf dasPapier gebracht, und die Seele von ihrer ersten Last ent-lediget habe, dehnt sie sich nach und nach weiter aus, undgewinnet neue Aussichten, die zuerst noch von nahernBildern bedeckt wurden. Je weiter sie eindringt, undjcmehr sie entdeckt, desto feuriger und leidenschaftlicherwird sie für ihren geliebten Gegenstand. Sic siehtimmer schönere Verhaltnisse, fühlt sich leichter und freyerzum Vergleichen, ist mit allen Zheilm bekannt und ver»traut, verweilet und gefallt sich in deren Betrachtung undhöret nicht eher auf, als bis sie gleichsam die letzte Gunsterhalten hat.
Und nun, wenn ich so weit bin, womit insgemeinmehrere Zage und Nächte, Morgen - und Abendstundenzugebracht sind, indem ich bcy dem geringsten Anscheinvon Erschlaffung die Feder niederlege, fang ich in derStunde des Berufs an, mein Geschriebenes nachzulesen,und zu überdenken, wie ich meinen Vortrag einrichtenwolle. Fast immer hat sich während dieser Arbeit diebeste Art und Weise, wie die Sache vorgestellt! scyn will,von selbst entdeckt; oder wo ich hierüber noch nicht mitmir einig werden kann: so lege ich mein Papier bey Seiteund erwarte eine glücklichere Stunde, die durchaus vonselbst kommen muß, und leicht kommt, nachdem maneinmal mit einer Wahrheit so vertraut geworden ist. Istaber die beste Art der Vorstellung, die immer nur ein-zig ist, während der Arbeit aus der Sache hervorgegan-gen: so fang ich allmahlig an, alles was ich auf dieseArt meiner Seele abgewonnen habe, darnach zu ordnen,was sich nicht dazu paßt, wegzustreichen, und jedes aufseine Stelle zu bringen.
Insgemein fällt alles was ich zuerst niedergeschrie-ben habe, ganz weg, oder es sind zerstreute Einheiten,
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