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4 (1786) Patriotische Phantasien, Th. 4
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4 Wie man zu einem guten Vortrage

Eher möchte ich sagen, daß Sie Ihre Empfindun-gen und Gedanken selbst nicht genug entwickelt hätten,wenn sie solche vortragen wollen. Die mehrften unterden Schreibenden begnügen sich damit, ihren Gegenstandmit aller Gelassenheit zu überdenken, sodann eine so-genannte Disposition zu machen, und ihren Satz darnachauszuführen; oder sie nützen die Heftigkeit des erstenAnfalls, und geben uns aus ihrer glühenden Einbildungs-kraft ein frisches Gcmählde, was oft bunt und starkgenug ist, und doch die WürkuNg nicht thut, welche sieerwarteten. Aber so nöthig es auch ist, daß derjenige,der eine große Wahrheit mächtig vortragen will, dieselbevorher wohl überdenke, seinen Vortrag ordne, und sei-nen Gegenstand, nachdem er ist, mit aller Wärme be-handle : so ist dieses doch noch der eigentliche Weg nicht,worauf man zu einer kräftigen Darstell,mg seiner Em-pfindungen gelangt.

Mir mag eine Wahrheit, nachdem ich mich davonaus Büchern und aus eignen Nachdenken unterrichtethabe, noch so sehr einleuchten, und ich mag mich damitnoch so bekannt dünken: so wage ich es doch nicht, so-gleich meine Disposition zu machen, und sie darnach zubehandeln; vielmehr denke ich, sie habe noch unzähligeFalten und Seiten, die mir jetzt verborgen sind, undich müßte erst suchen, solche so viel möglich zu gewinnen,ehe ich an irgend einen Vortrag, oder an Dispositionund Ausführung gedenken dürfe. Diesemnach werfe ichzuerst, sobald ich mich von meinem Gegenstande begei-stert und zum Vortragen geschickt fühle, alles was mir dar-über bcyfällt, aufs Papier. Des andern Tages verfahreich wieder so, wenn mich mein Gegenstand von neuemzu sich reißt, und das wiederhole ich so lange, als dasFeuer und die Begierde zunimmt, immer tiefer in die

Sache