H 25, Die alte Königsbnrg.
doch war auch dart ein Schenkzimmcr, auch dir Hauptwachc hielt sichiu Kriegszeitcn dart auf, vielleicht in dem vvrdcrcn Teil, lvährcnddahinter ausgedehnte Keller sich befanden,') Zu dem oberen Stockwerkführte von außen eine steinerne Treppe. Dort war ein großer seiest, derzu Festlichkeiten, namentlich znm Empfang hoher Gaste benutzt wurde;von dort ans ließ Herzog Johann IN, 1522 sich huldigen, was sonstvom Rathanssaale am Burgplatz aus geschah. Der Saal war den,entsprechend ausgeschmückt; es werden z. B. Wandmalereien erwähnt.Der Eingang war nach Prof. Köhnens Ansicht an dem HauseKnüppelmarkt Nr. 8 oder 10. Bon diesem Teil des städtischen Bcsitzcs ist schon im späteren Mittelalter Einiges verkauft, z. B. dasHaus an der Schnlgassc mit der Bedingung, daß darin keine Lärmverursachende Hantierung stattfindet) Die letzte Bcränßcrnng fandim Jahre 184.6 statt, wo die Gebäude niedergerissen wurden, währendFr. Grams für 2000 Thlr. den später von Becker Roth übernommenenHausplatz kaufte. Bekanntlich hat die Stadt den Platz samt demGebäude 1888 wieder an sich gebracht, den Rathausturm erhöht unddie elektrischen Uhren angelegt.
Neben dem Rathaus stand der Gcfängnisturm; in demselbenwurden die schweren Verbrecher festgehalten, um dann in Gegenwartdes Schultheißen und der Schöffen vom Scharfrichter gütlich undpeinlich verhört, das heißt, auf die Folter gespannt zu werden.Außerhalb hing an diesem Turm die Marktglocke, welche die Er-öffnung des Marktes anzeigte und vor Einrichtung eines WochenMarktes bereits die Eröffnung der Versammlungen, des Vogt- unddes Holtdings (siehe oben S. 120). Auf demselben wurde auch inälteren Zeiten, bevor der Salvatorkirchtum derartig eingerichtet war,Tag- und Nachtwache gehalten; er muß damals also eine erheblicheHöhe gehabt haben. Vom Rnthansc aus nach der Salvatorkirchc hin,nur durch ein Haus von der Kirche getrennt, lag der „Widcm",Eigentum des deutschen Ordens, vielleicht deren erster Sitz, der 1283niederbrannte. Im 16. Jahrhundert lag er wüste.
Am Bnrgplatze befand sich auch das Geckenhänsehen, in dasFranc» oder Kinder auf 1—2 Tage wegen geringer Vergehen gestecktwurden; auf demselben Platze nach der Südseite auch der KaktPrangcr oder Schandpfahl), au welchen unter andern zanksüchtige
st In dem Neubau KnnppeUnarkt n. 8 zeigten sich dieses Jahr aus-gedehnte, mit Holzbrandziegeln erbaute Gewölbe, welche anch noch weit unterdas Hans des Herrn Karl Müller reichten; ob sie zu den, alten Weinkeller ge-bort baben, läßt sich freilich nicht sagen. '-> Lagerbnch S. 27; andere Ver-käufe S. 322.