236 Die bekannten fünf und neunzig Theses Lutheri, zc.
daß dieser Schatz seyn die Schlüssel der Kirchen, durch das VerdienstChristi der Kirchen geschenckt.
61.
Denn es ist klar, daß zu Vergebung der Pein und vorbehalte-ner Fälle allein des Pabsts Gewalt gnug ist.
62.
Der rechte, wahre Schatz der Kirchen ist das heilige Evange.liuru der Herrlichkeit und Gnade Gottes.
63.
Dieser Schatz ist billig der allerfeindseligste und verhassetste.Denn er macht, daß die Ersten die Letzten werden.
64.
Aber der 'Ablaßschatz ist billig der allerangenehmste; denn ermacht aus den Letzten die Ersten.
65.
Derhalben sind die Schätze des Evangelii Netze, da man vor-zeiten die reichen, wohlhabenden Leute mit gefischet hat.
66.
Die Schätze des Ablasses aber sind die Netze, damit man jetzi-ger Zeit die Reichthümer der Menschen fischet.
67.
Das Ablaß, das die Prediger für die grosseste Gnade ausruf-fen, ist freylich für grosse Gnade zu halten; denn es grossen Gewinnund Genieß träget.
68.
Und doch ist solch Ablaß wahrhaftig die allergeringste Gnade,wenn mans gegen der Gnade Gottes und des Creutzes Gottseligkeithält oder vergleichet-
69.
Es sind die Bischoffe und Seelsorger schuldig, des ApostolischenAblaß Commissaricn mit aller Ehrerbietung zuzulassen.
70.
Aber vielmehr sind sie schuldig, mit Augen und Ohren aufzu-sehen, daß dieselben Commissarien nicht anstatt päbstlichen Befehlsihre eigenen Träume predigen.
71.
Wer wider die Wahrheit des päbstlichen Ablasses redet, der seyein Fluch und vcrmaledeyet.