Die bekannten fünf und neunzig Theses Lutheri, :c. 233
31.
Wie selten einer ist, der wahrhaftige Neu und Leid habe, soselten ist auch der, der wahrhaftig Ablaß löset, das ist, es ist gar sel-ten einer zu finden.
32.
Die werden sammt ihren Meistern zum Teufel fahren, die ver-meynen, durch Ablaßbriefe ihrer Seligkeit gewiß zu seyn.
33.
Vor denen soll man sich sehr wohl Huten und vorsehen, die dasagen-- des Pabsts Ablaß sey die höchste und wertheste Gottes Gnadeoder Geschenck, dadurch der Mensch mit Gott versöhnet wird.
34.
Denn die Ablaßgnade siehet allein auf die Pein der Gnug-thuung, welche von Menschen aufgesetzt ist worden.
35.
Die lehren unckristlich, die fürgeben, daß die, so da Seelen ausdem Fegfeucr, oder Beichtbriese wollen lösen, keiner Reu noch Leidsbedürfen.
36.
Ein jeder Ehrist, so wahre Reu und Leid hat über seine Sün-den, der hat völlige Vergebung von Pein und Schuld, die ihm auch
ohne Ablaßbriefe gehöret.
37.
Ein jeder wahrhaftiger Ehrist, er sey lebendig oder todt, ist theil-hastig aller Güter Ehristi und der Kirchen, aus Gottes Geschenck,auch ohne Ablaßbriefe.
38.
Doch ist des Pabsts Vergebung und Austheilung mit Nichtenzu verachten. Denn, wie ich gesagt habe, ist seine Vergebung eineErklärung göttlicher Vergebung.
39.
Es ist aus der Maassen schwer, auch den allergelehrtesten Theo-logen, zugleich den grossen Reichthum des Ablasses, und dagegen diewahre Reue und Leid vor dem Volcke zu rühmen.
40.
Wahre Reue und Leid sucht und liebet die Strafe,' aber dieMildigkeit des Ablasses entbindet von der Strafe, und daß man ihrgram wird, zum wenigsten, wenn dazu Gelegenheit vorfallet.
41.
Fürsichtiglich soll man von dem pabstlichen Ablaß predigen, daß