Dr. M. Luthers kurze Vermahnung zur Beichte. 227
sollte die Absolution nicht gelten, noch die Sünde vergeben seyn, da-mit man die Leute so weit getrieben hat, daß jedermann hat verzwei-feln müssen, so reine zu beichten, (wie es denn nicht möglich war,)und kein Gewissen hat mögen zu Ruhen stehen, noch sich aus dieAbsolution verlassen. Also haben sie uns die liebe Beichte nicht al-lein unnütz, sondern auch schwer und sauer gemacht, mit mercklichemSchaden und Verderben der Seele.
Darum sollen wirs also ansehen, daß wir die zwey Stück weitvon einander scheiden und setzen, und unser Werck gering, aber Got-tes Wort hoch und groß achten, und nicht hingehen, als wollten wirein köstlich Werck thun und ihm geben, sondern nur von ihm neh-men und empfahen. Du darfst nicht kommen und sagen, wie frommoder böse du bist. Bist du ein Christe, so weiß ichs sonst wohl; bistdu keiner, so weiß ichs noch vielmehr. Aber darum ists zu thun,daß du deine Noth klagest, und lassest dir helfen und ein fröhlichHertz und Gewissen machen.
Darzu darf dich nun niemand dringen mit Geboten, sondernso sagen wir- Wer ein Christe ist, oder gerne seyn wollte, der hat hiereinen treuen Rath, daß er hingehe und den köstlichen Schatz hole.Bist du kein Christe, oder begehrest solches Trostes nicht, so lassenwir dich einen andern zwingen- Damit heben wir nun des PabstSTyranney, Gebot und Zwang allzumal auf, als die sein nirgend zudürfen. Denn wir lehren (wie gesagt) also: Wer nicht willig undum der Absolution willen zur Beichte gehet, der lasse es nur anste-stehen; ja, wer auf sein Werck hingehet, wie rein er seine Beichtegethan habe, der bleibe nur davon.
Wir vernehmen aber, du sollst beichten und deine Noth anzei-gen; nicht darum, daß du es für ein Werck thust, sondern hörest,was dir Gott sagen lasset. Das Wort sage ich, oder Absolution,sollst du ansehen, groß und theuer achten, als einen trefflichen grossenSchatz mit allen Ehren und Danck anzunehmen.
Wenn man solches ausstriche, und darneben die Noth anzeigte,so uns darzu bewegen und reihen sollte, dürfte man nicht viel Nö-thigens noch Zwingens; sein eigen Gewissen würde einen jeglichenwohl treiben, und so bange machen, daß er sein froh würde, undthäte, wie ein elender armer Bettler, so er höret, daß man an einemOrte eine reiche Spende, Gold oder Kleider austheilete; da dürsteman keines Büttels, der ihn triebe und schlüge, er würde wohl selbstlausten, was er Leibes lausten könnte, daß er nichts versaumcte.Wenn man nun ein Gebot drauf schlüge, daß alle Bettler solltendahin lausten, deß und kein andres, und schwiege doch, was man da suchen