228 Dr. M> Luthers kurze Vermahnung zur Beichte.
und holen sollte: was wäre das anders, denn daß man hinginge mit Un-lust, und nicht dachte, etwas zu holen, sondern sich lassen sehen, wiearm und elend der Bettler wäre? Davon würde man nicht vielFreude und Trost schöpssen, sondern nur dem Gebote desto feinderwerden.
Eben also haben bisher des Pabsts Prediger diß trefflichen, rei-chen Almosen und unaussprechlichen Schatzes geschwiegen, und nurmit Haufen hingetricben, nicht weiter, den» daß man sahe, wie un-rein und unflätige Leute wir waren. Wer könnte da gerne zurBeichte gehen? Wir aber sagen nicht, daß man sehen solle, wievoil Unflaths du seyst, und sich darin spiegeln, sondern rathen undsagen: Bist du arm und elende, so gehe hin, und brauche der heilsa-men Artzeney. Wer nun sein Elend und Noth fühlet, wird wohlsolch Verlangen darnach krigen, daß er mit Freuden hinzuläufst.Welche es aber nicht achten, noch von ihnen selbst kommen, die las-sen wir auch fahren. Das sollen sie aber wissen, daß wir sie nichtfür Christen halten.
So lehren wir nun, wie trefflich, köstlich und tröstlich Ding esist um die Beichte, und vermahnen dazu, daß man solch theuer Gutnicht verachte, angesehen unsere grosse Noth. Bist du nun einChrist, so darfst du weder meines Zwangs, noch Pabsts Gebot, nichtsüberall, sondern wirst dich wobl selbst zwingen, und mich darum bit-ten, daß du solches'mögest theilhaftig werden- Willst du es aberverachten, und so stoltz ungebeichtet hingehen, so schliessen wir das Ur-theil, daß du kein Christe bist, und auch des Sacraments nicht sollstgemessen. Denn du verachtest, das kein Christe verachten soll, undmachest damit, daß du keine Vergebung der Sünde haben kannst,und ist ein gewiß Zeichen, daß du auch das Evangelium verachtest.
Summa, wir wollen von keinem Zwang wissen. Wer aberunsere Predigt und Vermahnung nicht höret, noch folget, mit demhaben wir nichts zu schaffen, soll auch nichts von dem Evangelio ha-ben. Wärest du ein Christ, so solltest du froh werden, daß du moch-test über hundert Meilen darnach lausten, und nicht dich lassen nö-thigen, sondern kommen und uns zwingen. Denn da muß der Zwangumgekehret werden, daß wir ins Gebot, und du in die Freyheit kom-mest. Wir dringen niemand, sondern leiden, daß man zu uns drin-get, gleichwie man uns zwinget, daß wir predigen und Sacramentereichen müssen.
Darum, wenn ich zur Beichte vermahne, so thue ich nichts an-ders, denn daß ich vermahne, ein Christe zu seyn. Wenn ich dich dahinbringe, so habe ich dich auch wohl zur Beichte gebracht. Denn,