Dr. M. Luthers Sermon von Bereitung z, Sterben :c, 215
den endlich bleiben und verdummt sind, du fährest gewißlich hin-nach, und wirst überwunden, sondern mußt abkehren deine Ge-dancken, und die Sünde nicht, denn in der Gnaden Bilde, an-sehen, und dasselbe Bild mit aller Kraft in dich bilden und vorAugen haben.
Der Gnaden Bilde ist nichts anders, denn Christus amCreutz, und alle seine liebe Heiligen. Wie verstehet man das?Das ist Gnade und Barmhertzigkeit, das Christus am Creutzedeine Sunde von dir nimmt, und tragt sie für dich, und erwür-get sie; und, dasselbe vestiglich glauben und vor Augen haben,nicht daran zweifeln, das Heisset das Gnadenbild ansehen und insich bilden. Desselbigen gleichen alle Heiligen in ihrem Leidenund Sterben auch auf ihnen tragen gleiche Pein, und mit dirleiden und arbeiten, wie geschrieben stehet, Gal. 6, 2: Einertrage des andern Bürde, so erfüllet ihr Christi Gebot. Also sprichter selber, Matth. 1t, 28: Kommet her zu mir all, die ihr be-laden seyd und arbeitet, ich will euch helfen. Siehe, so magstdu deine Sünde sicher ansehen, ausser deinem Gewissen. Siehe,da sind Sünde nimmer Sünde, da sind sie verbunden und inChristo verschlungen. Denn, gleichwie er deinen Tod auf sichnimmt und ihn erwürgt, daß er dir nichts schaden mag, so duanders glaubest, daß er dir das thut, und deinen Tod in ihm,nicht in dir ansiehest: also nimmt er auch deine Sünde auf sich,und in seiner Gerechtigkeit aus lauter Gnaden dir überwindet;so du das glaubest, so thun sie dir nimmer Schaden. Also istChristus, des Lebens und Gnaden Bild, wider des Todes undSunde Bilde unser Trost. Das sagt Paulus, 1. Cor. 15, 17:Gott sey Lob und Danck, daß er uns in Christo gegeben hatUeberwindung der Sünden und des Todes.
Zum zwölften, mußt du die Hölle und Ewigkeit der Peinmit der Versehung nicht in dir, nicht in ihr selbst, nicht in denen,die verdammt sind, ansehen, auch nichts bekümmern mit so vielenMenschen in der gantzen Welt, die nicht versehen sind; denn, sie-hest du dich nicht vor, so wird dich das Bild geschwinde stürtzenund zu Boden flössen. Darum mußt du hie Gewalt üben, dieAugen vest zuhalten vor solchem Blick, denn er gar nichts nützist, ob du tausend Jahr damit umgehest, und verderbet dichzumal.
Darum stehe das himmlische Bild, Christum, an, der umdeinetwillen gen Hölle gefahren, und von Gott ist verlassen ge-wesen, als einer, der verdammt sey ewiglich, da er sprach am