Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
213
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Dr. M. Luthers Sermon von Bereitung z> Sterben rc. ^13

Hollen Bild stetig vor Augen haben (als Psalm S1, 5, stehet:Meine Sünden sind mir allezeit vor Augen): so thut er uns dieAugen zu und verbirgst dieselben Bilde; am Tode, da wir solltennur das Leben, Gnad und Seligkeit vor Augen haben, thut eruns denn allererst die Augen auf und angstet uns mit den unzei-tigen Bilden, daß wir die rechten Bilde nicht sehen sollen.

Zum achten: Die Hölle wird groß und wachst auch durchihr zu viel Ansehen und hartes Bedencken zur Unzeit. Dazu hilftüber die Maasse sehr, daß man Gottes Urtheil nicht weiß, dahinder böse Geist die Seele treibet, daß sie sich mit übrigem, un-nützem Fürwitz, ja allergefährlichstem Vornehmen beladet, undverstehen soll göttliches Raths Heimlichkeit, ob sie versehen sey,oder nicht.

Hie übet der Teufel seine letzte, gröste, listigste Kunst undVermögen. Denn damit führet er den Menschen (so er es ver-siehet) über Gott, daß er suche Zeichen des göttlichen Willens,und ungeduldig werde, daß er nicht wissen soll, ob er versehensey, machet ihm seinen Gott verdachtig, daß er viel nahe nacheinem andern Gott sich sehnet. Kürtzlich, hie gedencket er dieGottes Liebe mit einem Sturmwind auszulöschen und GottesHaß erwecken. Je mehr der Mensch hie dem Teufel folget unddie Gedancken leidet, je gefährlicher er stehet, und zuletzt sichnicht mag erhalten, er fallt in Gottes Haß und Lästerung. Denn,was ist es anders, daß ich wissen will, ob ich versehen sey, denn,daß ich will alles wissen, was Gott weiß, und ihm gleich seyn,daß er nichts mehr wisse, denn ich, und also Gott nicht sey, soer gar nichts über mich wissen soll? Da hält er für, wie vielHeyden, Jüden, Christenkinder verloren werden, und treibetmit solchen gefährlichen und vergebenen Gedancken so viel, daßder Mensch, ob er sonst gerne stürbe, doch in diesem Stücke un-willig wird. Das Heisset mit der Hölle angefochten, wenn derMensch mit Gedancken seiner Versehung wird angefochten, dar-über im Psalter gar viel Klagens ist. Wer hie gewinnet, derhat die Sünde, Hölle, Tod auf einen Haufen überwunden.

Zum neunten: Nun muß man in diesem Handel allenFleiß ankehren, daß man dieser dreyer Bilde keines zu Haus lade,noch den Teufel über die Thür mahle; sie werden selbst allzustarck herein fallen und das Hertz mit ihrem Ansehen, Disputirenund Zeigen gantz und gar inne haben wollen. Und, wo das ge-schiehet, so ist der Mensch verloren und Gottes gantz vergessen.Denn diese Bilde gehören gar nicht in diese Zeit anders, denn