Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
165
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Dr. Martin Luthers tröstliches Büchlein ic. 165

Dingen alle die Beschwerungen, die der weise Mann Ecclesiastesbeschreibet, da er so dick und oft die Eitelkeit und Anfechtung desGeistes meldet und anzeiget. Denn wie viel Rathschlage und Be-dencken haben und nehmen wir vergeblich für? Wie viel unsererWünsche und Begierden gehen zurücke und werden betrogen? O wieviel Dinges hören und sehen wir wider unsern Willen! Und dieSachen, die nach unserm Wunsche und Willen ergehen, geschehenauch wider unsern Wunsch und Willen. Also gar ist nichts gantzund vollkommen. Auch seyn diese Uebel und bösen Dinge alle soviel grösser, in so viel höherm und mehrerm Stande, Ehren undWürdigkeit einer sitzet, der von Noth wegen muß grössere und meh-rere Anfechtung, Quaal, Betrübniß und Jammers haben, denn dieandern Leute, die auch dermassen Beschwerung leiden. Also, daßder Prophet in dem hundert und vierten Psalm, V. 25, recht ge-saget hat: Daß kleine, grosse und kriechende Thiere, derer keine Zahlsey, in dem Meer dieser Welt seyn, das ist, daß der Anfechtungenunzahlig viel seyn. Also nennet Hiob auch im 7. Cap. 1. das Le-ben des Menschen derhalben eine Anfechtung.

Und diese innerlichen Uebel, oder innwendigen bösen Dinge,seyn darum nichts destoweniger böse Dinge, daß sie nicht gefühletund empfunden werden, sondern, daß sie durch die Uebung undStetigkeit seyn verächtlich worden, und daß durch göttliche Wirckungdie Mahnung und Anfechtung in denselben zerzehret seye. Darumerinnern sie uns selten, die wir noch durch keine Uebung gelernethaben, zu verachten; sogar wahr ist es, daß wir kaum den tausen-ten Theil unserer Uebel und bösen Dinge fühlen und empfinden.Sogar ist es auch endlich wahr, daß wir unsere Uebel und bösenDinge nicht der Wahrheit und Sache selbst nach, sondern nach derMeynung und Mahnung ermessen, richten, empfinden oder nichtempfinden.

Der andere Unterscheid, von den zukünftigen Uebeln und bö-sen Dingen der Menschen.

Das wird auch alle gegenwärtige Uebel und bösen Dinge leich-ter, linder und geringer machen, wenn ein Mensch sein Gemüthzu den zukünftigen Uebeln oder bösen Dingen kehret, derer so viel,dermassen und so groß seyn, daß dagegen allein die grosse und der