Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
164
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164 Dr. Martin Luthers tröstliches Büchlein ?c.

Uebel desto weniger peinigen, beschweren und anfechten. Und wie-derum, am Tage der guten Dinge gedencke der bösen Dinge, dasist, weil du die wahrhaftigen Uebel nicht empfindest, so sey in der-selben Empfindlichkeit danckbar, und gedencke der wahrhastigen Ue-bel- also würdest du das sinnliche Uebel desto weniger empfinden.Darum ists offenbar und am Tage, daß der Unschmertz allezeit indem Menschen grösser ist, denn der Schmertz, Leid und Betrübnißin diesem Leben. Nicht darum, daß das gantze Uebel nicht gegen-wärtig vorhanden wäre, sondern daß die Mahnung und Anfechtungdesselben Uebels durch die Güte Gottes den Menschen nicht be-schweret, welchem es Gott verbieget.

Dcrohalben sehen wir, daß diejenigen, welche die Gnade ha-ben, ihr wahrhaftes Uebel zu sehen, so »ngütlich und crnsthastiglichmit ihnen selbst umgehen, daß sie alles das, so sie leiden mögen,für gar nichts in ihrem gantzen Leben achten, allein, daß sie ihreHölle nicht dürsten empfinden. Also würde ein jeglicher Menschthun, wenn er etwann füblte oder empfände, oder glaubte an seininnwcndiges Uebel. Sodenn wird er von ihm selbst zu ihm dieauswendigen oder aufserlichen Uebel erfordern, darinnen spielen, undnimmer nicht trauriger seyn, denn, wenn er nicht äusserliche Uebel,Beschwerung und Anfechtung hat, wie wir denn wissen, daß etlicheliebe Heiligen gethan haben. Demnach ist das erste tröstliche Bild-niß, daß ein Mensch zu ihm also spreche- O Mensch, du erkennestund weist noch dein Uebel nicht. Erfreue dich, und dancke Gott,daß du nicht gezwungen werdest, es zu empfinden. Also wird dasUebel oder die Beschwerung durch die Gegenachtung und Berglei-chung des grossen Uebels leicht. Und das ist, daß die andern spre-chen- Ich habe viel ärgere und bösere Dinge, denn die Hölle, ver-dienet. Es ist leicht zu sagen, aber unleidentlich zu empfinden,und wiewohl diß Uebel gantz verborgen und innerlich ist, dennocherzeiget es und gibet an Tag seine Früchte fast empfindlich. Unddas seyn die Furcht und Unsicherheit des erschrockenen und furcht-samen Gewissens, dadurch der Glaube bekrieget und angefochtenwird, wenn der Mensch nicht weiß, oder zweifelt, ob er einengnadigen Gott habe. Und dieselbe Furcht ist so viel herber undbitterer, so viel schwacher der Glaube ist, und wenn diese Schwach-heit allein würdiglich betrachtet wird, weil sie geistlich ist, so über-wieget sie die leibliche Schwachheit weit, welche sie auch auss aller-leichteste machet, wenn sie gegen der andern fleissig verglichen undgeschahet wird.

Weiter gehören auch zu den innerlichen Uebeln oder bösen