Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
163
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Dr. Martin Luthers trostliches Büchlein -c. 16,;

Uebel und böse Dinge sind in dem Menschen, die er nicht fübletund empfindet. Denn so der Mensch sein Uebel empfindet, so em-pfindet er die Hölle, denn er bat die Hölle in ihm selbst. Mochtestdu fragen, wie und welcher Gcstalt?'Der Prophet saget, Ps. 116,11: Ein jeglicher Mensch ist ein Lügner; und Ps. 39, 6: Ein jeg-licher lebendiger Mensch ist gantz Eitelkeit. Ein Lügner und eitelseyn, das ist, leer oder ledig seyn von der Wahrheit und nichts inihm haben. Aber ohne Wahrheit und ohne alle Dinge an ihmselbst seyn, das ist ohne Gott seyn und gar nichts seyn, und dassel-bige ist in der Hölle und verdammt seyn. Derohalben, wenn derallmachtige Gott uns barmhertziglich strafet, so eröffnet und leget eruns auf die geringsten Uebel, oder wenigsten bösen Dinge. Denner weiß das, wenn er den Menschen dahin führte, daß er sein Ue-bel erkennet?, daß er zur Stunde im Augenblicke verdürbe und ver-ginge, welches er auch etlichen Menschen zu kosten gegeben hat, vonwelchen in der heiligen Schrift gesaget ist, 1. Sam. 2, 6: Er füh-ret sie in die Hölle, und wiederum daraus. Derowegen die rechtsagen, die leibliche Leiden nennen Erinnerung des innerlichen Ue-bels oder der bösen Dinge, die der Mensch innwendig in ihm hat.Und St. Paulus heißt sie, am 12, 9. zu den Ebräern, vaterlicheZucht oder Unterweisung Gottes. Denn er geiselt einen jeglichenSohn, den er annimmt, welches er darum thut, daß er durch undmit solchem Geiseln und kleinen Uebeln will die grossen Uebel aus-weiden, damit wir sie einst nicht dürfen empfinden, wie am 22,15. der Spruch des Weisen spricht: Die Thorheit ist in dem Hertzendes Kindes zusammen gebunden, aber die Zuchtgerte wird sie aus-weiden.

Ist es nicht also, daß die frommen und getreuen Eltern grösserLeid, Betrübniß und Bekümmerniß haben von ihren Kindern, wennsie Diebe oder sonst böse seyn, denn, wenn sie verwundet seyn?Ja, die frommen Eltern schlagen ihre Kinder selbst, damit sie jenicht böse seyn mögen. Was hinderts denn, daß diß wahrhaftigeUebel nicht empfunden wird? Allein das, wie ich gesaget habe,Gott hat es also verordnet, daß der Mensch nicht verginge, wenner sein Uebel oder innerlichen bösen Dinge aufs innerlichste sahe.Derohalben verbirget sie Gott, und will, daß sie allein durch denGlauben gesehen werden, weil er sie durch das empfindliche odersinnliche Uebel anzeiget; darum seyd zu der Zeit der bösen Dingeeindachtig der guten Dinge, Sirach 11, 27. Siehe an, wie eingrosses Gut ist es, daß man das gantze Uebel nicht kenne und wisse.Gedencke dieses Guten, so wird dich das sinnliche oder empfindliche

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