15« D. M. Luthers Trostschrift an seine liebe Mutter, -c,
dern für einen grausamen Richter und Tyrannen hatten, daß wirvon ihm zu Maria und den Heiligen haben müssen fliehen, unduns keiner Gnaden noch Trost zu ihm haben versehen können.Aber nun wissen wies anders von der grundlosen Güte undBarmhcrtzigkeit unsers himmlischen Vaters, daß Jesus Christusunser Mittler, 1. Tim. 2, 5., und Gnadenstuhl ist, Rom. 3, 25.,und unser Bischof im Himmel vor Gott, der uns taglich vertrittund versöhnet, alle, die nur an ihn glauben und ihn anrüsten,Hebr. 5, 15. 16.; 7, 25., und nicht ein Richter ist, noch grau-sam, ohn allein über die, so ihm nicht glauben, noch seinen Trostund Gnade annehmen wollen. Es ist nicht der Mann, der unsverklagt noch brauet, sondern, der uns versöhnet und vertritt durchseinen eigenen Tod und Blut, für uns vergossen, daß wir uns nichtfür ihm fürchten, sondern mit aller Sicherheit zu ihm treten, undihn nennen sollen- lieber Heiland, du süsser Troffer, du treuer Bi-schof unserer Seelen ?c. 1. Tim. 4, 10. 1. Petr. 2, 25.
Zu solchem Erkenntniß (sage ich) hat euch Gott gnadiglich be-ruffen, deß habt ihr sein Siegel und Briefe, nemlich das Evange-lium, die Taufe und das Sacrament, so ihr höret predigen, also,daß keine Gefahr noch Noth mit euch haben soll. Seyd nur getrostund dencket mit Freuden solcher grossen Gnaden. Denn der es ineuch angefangen hat, wird es auch gnadiglich vollenden. Denn wirkönnen uns selbst in solchen Sachen nicht helfen, wir mögen derSunde, Tod und Teufel nichts abgewinnen mit unsern Wercken,darum ist da an unser Statt und für uns ein andrer, der es baßkann und uns seinen Sieg gibt, und befiehlst, daß wirs annehmenund nicht dran zweifeln sollen, und spricht- Seyd getrost, ich habedie Welt überwunden, Joh. 16, 22. Joh. 14, 19. Und aber-mal- Ich lebe und ihr sollt auch leben, und eure Freude soll nie-mand von euch nehmen.
Der Vater und Gott alles Trostes verleihe euch durch seinheiliges Wort und Geist einen vesten, fröhlichen und danckbarenGlauben, damit ihr diese und alle Noth möget seliglich überwinden,und endlich schmecken und erfahren, daß es die Wahrheit sey, daer selbst spricht- Seyd getrost, ich habe die Welt überwunden! undbeflhle hiemit euer Leib und Seele in seine Barmhertzigkeit. Amen.Es bitten für euch alle eure Kinder und meine Kethe. Etliche wei-nen, etliche essen und sagen - Die Großmutter ist sehr kranck. Got-tes Gnade sey mit uns allen- Amen. Am Sonnabend nach^scenslonis Dom!-,! 1531.
Euer lieber Sohn Mark. Lutber.