Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
157
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D. M. Luthers Trostschrist an seine liebe Mutter, -c, 157

wunden! und sollen ja nicht zweifeln, es sey gewißlich wahr, undnicht allein das, sondern uns wird auch geboten, daß wir sollenmit Freuden uns solches Trosts annehmen und mit aller Danck-sagung. Und wer sich solche Wort nicht wollte trösten lassen, derthut dem lieben Tröster unrecht und die größte Unehre, gleich alswäre es nicht wahr, daß er die Welt hatte überwunden, damitwir den überwundenen Teufel, Sünde und Tod uns selbst wie-der zum Tyrannen starcken wider den lieben Heiland, da unsGott für behüte.

Derhalben mögen wir nun mit aller Sicherheit und Freu-digkeit uns freuen, und wo uns will etwa ein Gedancken von derSünde oder Tod erschrecken, wir dagegen unser Hertz erhebenund sagen.- Siehe, liebe Seele, wie thust du? Lieber Tod, liebeSünde, wie lebest du, und schreckest mich? Weißt du nicht, daßdu überwunden, und du Tod gar todt bist? Kennest du nicht ei-nen, der vor dir sagt: Ich hab die Welt überwunden? Mir ge-bühret nicht, dein Schrecken zu hören, noch anzunehmen, sonderndie Trostworte meines Heilandes.- Seyd getrost, seyd getrost, ichhab die Welt überwunden. Das ist der Siegsmann, der rechteHeld, der mir hiemit seinen Sieg gibt und zueignet. Seyd ge-trost! Bey dem bleib ich, deß Worts und Trosts halte ich mich,darauf bleibe ich hie, oder fahre dorthin, er leuget mir nicht.Dein falsches Schrecken wollte mich gerne betrügen und mit Lü-gengedancken von solchem Siegsmann und Heiland reisten, undist doch erlogen, so wahr es ist, daß er dich überwunden und uns,getrost zu seyn, geboten hat.

Also rühmet St. Paulus auch und trotzt wider des TodesSchrecken, 1. Cor. 15, 44. ff.: Der Tod ist verschlungen imSieg, Tod, wo ist dein Sieg? Hölle, wo ist dein Stachel?Schrecken und reitzsn kannst du, wie ein höltzern Todesbild, aberGewalt hast du nicht, zu würgen; denn dein Sieg, Stachel undKraft ist im Sieg Christi verschlungen. Die Zahne magst du ble-cken, aber fressen kannst du nicht, denn Gott uns den Sieg wi-der dich gegeben durch Zesum Christum, unsern Herrn. Dem seyLob und Danck gesagt. Amen.

Mit solchen Worten und Gedancken, liebe Mutter, lasse sicheuer Hertz bekümmern, und sonst mit nichts, und seyd ja danck-bar, daß euch Gott zu solchem Erkenntniß bracht hat, und nichtlassen stecken in dem Pabstischen Irrthum, da man uns gelehrethat, auf unser Werck und der Mönchen Heiligkeit bauen, unddiesen einigen Trost, unsern Heiland, nicht für einen Tröster, son-