14» Dr. M. Luthers einfältige Weise zu beten, -c.
reissen, beissen und fressen, und fürchten selch ernst Gebot Gottesnichts :c.
Zum vierten bitte ich, er wollte (der liebe Vater) uns sol-ches sein heilig Gebot lernen erkennen, und helfen, daß wir unsauch darnach halten und leben, behüte uns alle untereinandervor dem Mörder, der alles Mordens und Schadens Meister ist,und gebe seine reiche Gnade, daß die Leute (und wir mit ihnen)gegen einander freundlich, sanft, gütig werden, einander hertzlichvergeben, und einer des andern Fehl und Gebrechen Christlichund brüderlich trage, und also in rechtem Friede und Einigkeitleben, wie diß Gebot uns lehret und fordert.
Das sechste Gebor.
Du sollt nicht ehebrechen.
Hie lerne ich abermal, was Gott gedenckc über mich, undwas er von mir haben will, nemlich, daß ich soll keusch und züchtigund maßig leben, beyde, mit Gedancken, Worten und Wercken,und einem jeglichen sein Weib, Tochter, Magd, ungeschandet solllassen, sondern helfen retten, schützen und alles thun, was zu Er-haltung ihrer Ehren und Zucht dienet, auch helfen die unnützenMauler stopfsen, so ihnen ihre Ehre abschneiden oder stehlen.Denn solches alles bin ich schuldig, und Gott wills von mir ha-ben, daß ich nicht allein soll meines Nächsten Weid und die Sei-nigen soll ungeschandet lassen, sondern auch schuldig seyn, daß ichseine Zucht und Ehre helfe erhalten und bewahren, wie ich woll-te, daß mein Nächster gegen mir solches thun müßte, und dißGebot an mir und den meinen üben.
Zum andern dancke ich dem lieben, treuen Vater für solcheseine Gnade und Wohlthat, daß er mit diesem Gebot in seinenSchutz und Schirm nimmt meinen Mann, Sohn, Knecht, Weib,Tochter, Magd, und verbeut so ernstlich hart, daß man sie nichtzuschanden soll machen. Denn er gibt mir sicher Geleit, halt auchdrüber, und laßts nicht ungestraft, sollte ers auch selber thun,wo jemand solch Gebot und Geleit übertrit und bricht. Es ent-lauft ihm keiner, er muß es entweder hie bezahlen, oder solcheLust zuletzt im höllischen Feuer küssen, denn er will Keuschheithaben, und Ehebruch nicht leiden. Wie wirs denn täglich sehenin allen unbußsertigen, ruchlosen Leuten, daß sie endlich GottesZorn ergreift, und schandlich hinrichtet, sonst wäre es nicht mög-lich, vor dem unsaubern Teufel eine Stunde sein Weib, Kind,Gesinde, bey Zucht und Eliren zu erhalten. Es würden eitel Hun»