Dr. M. Luthers einfältige Weise zu beten, ?c,
stall, ist eine Bubenschule, wie man siehet bey den gottlosen, gro-ben Leuten.
Das fünfre Gebor.
Du sollt nicht todten.
Hie lerne ich erstlich, daß Gott von mir will haben, ich sollemeinen Nächsten lieben, also, daß ich ihm kein Leid soll thun anseinem Leibe, weder mit Worten, noch mit Wercken, nicht durchZorn, Ungeduld, Neid, Haß, oder einige Bosheit mich an ihmrächen oder Schaden thun, sondern soll wissen, daß ich schuldigbin, ihm zu helfen und rathen in allen Leibesnöthen. Denn erhat mir mit diesem Gebot, meines Nächsten Leib zu bewahren,befohlen, und wiederum meinem Nächsten befohlen, meinen Leibzu bewahren. Und wie Sirach spricht: Er hat unser jeglichem sei-nen Nächsten befohlen.
Zum andern dancke ich hie solcher unaussprechlichen Liebe,Sorge und Treue gegen mir, daß er eine solche grosse, starckeHuth und Mauer um meinen Leib her gestellet hat: daß alleMenschen sollen schuldig seyn, mein zu schonen und mich zu be-hüten, und wiederum ich auch gegen alle Menschen, hält auchdrüber, und wo es nicht geschieht, hat er das Schwerin befohlenzur Strafe dererjenigen, die es nicht thun. Sonst, wo solch seinGebot und Stifft nicht wäre, sollte der Teufel ein solches Mor-den unter uns Menschen anrichten, daß keiner nicht eine Stundesicher leben könnte, wie es denn geschieht, wenn Gott erzürnet,und die ungehorsame und undanckbare Welt strafet.
Zum dritten beichte und klage ich hie über meine und derWelt Bosheit, daß wir nicht allein so greulich undanckbar sindfür solche seine väterliche Liebe und Sorge für uns, sondern, dasdoch ja zumal schändlich ist, daß wir solche Gebote und Lehrenicht können, auch nicht lernen wollen, sondern verachten, alsginge es uns nicht an, oder als hätten wir nichts davon, gehendaczu sicher dahin, machen uns kein Gewissen, daß wir unsereNächsten, wider diß Gebot, so verachten, verlassen, ja verfolgenund verletzen, oder auch im Hertzen wohl todten, folgen unsermZorn, Grimm und aller Bosheit, als thäten wir recht und wohldaran. Fürwahr hie ists klagens und schreyens Zeit über unsböse Buben, und blinde, wilde, ungütige Leute, die wir, wie diegrimmigen Thiere, unter einander uns treten, flössen, kratzen,
lo*