Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

>46 Dr. M. Luthers einfältige Weise zu beten, w.

weil ihrer viel mehr ist, denn der Ellern und Regenten. Darumist solche Wohlthat auch unaussprechlich.

Zum dritten beichte und bekenne ich meinen leidigen Unge-horsam und Sünde, daß ich, wider diß Gebot meines Gottes,meine Eltern nicht geehret, noch gehorsam gewesen bin, sie ofterzürnet und beleidigt, ihre väterliche Strafe mit Ungeduld ange-nommen, wider sie gemurret, ihre treue Vermahnung veracht,vielmehr loser Gesellschaft und bösen Buben gefolget, so dochGott selbst solchen ungehorsamen Kindern flucht und langes Le-ben abspricht, wie denn auch viel darüber schandlich umkommenund untergehen, ehe sie zu Leuten werden. Denn wer Vater undMutter nicht gehorchet, muß dem Hencker gehorchen, oder sonstdurch Gottes Zorn böslich um sein Leben kommen w. Solchesalles ist mir leid, und bitte um Gnade und Vergebung.

Zum vierten bete ich für mich und alle Welt, daß Gott unswollte seine Gnade verleihen und seinen Segen reichlich ausschüt-ten, beyde, über Hauswesen und Stadtwesen, daß wir hinfortfromm werden, die Eltern ehrlich halten, den Herrschaften gehor-sam seyn, dem Teufel widerstehen, und seinem Reihen nicht fol-gen zu Ungehorsam und Unfriede, und also mit der That helfendas Haus und Land bessern, und den Frieden erhalten, Gott zuLob und Ehren, uns selbst zu Nutz und allem Guten, und daßwir solche seine Gaben erkennen und dafür dancken. Hie soll mituntergehen auch das Gebet für die Eltern und Oberherren, daßihnen Gott Verstand und Weisheit verleihe, friedlich und selig-lich uns vorzustehen und zu regieren. Er behüte sie vor Tyran-ney, Toben und Wüten, und wende sie davon, daß sie GottesWort ehren, nicht verfolgen, noch jemand unrecht thun. Dennsolche hohe Gaben muß man mit Beten erlangen, wie St. Pau-lus lehret, sonst ist der Teufel der oberste Abt zu Hofe, und ge-het übel und wüst zu. Und wenn du auch Vater und Mutterbist, so ists hie Zeit, daß du dein selbst nicht vergessest, noch dei-ner Kinder und Gesinde, sondern bittest mir Ernst, daß der liebeVater, so dich in seines Namens und Amts Ehre gesetzt, unddich auch will Vater genennet und geehrct haben, dir Gnade undSegen verleihe, dein Weib, Kind und Gesinde göttlich und Christ-lich zu regieren und ernähren, gebe dir Weisheit und Kraft, siewohl zu erziehen, und ihnen ein gut Hertz und Willen, deinerLehre zu folgen und gehorsam zu seyn. Denn Gottes Gabensind, beyde, Kinder und ihr Gedeyen, beyde, wohlgerathen undgut bleiben. Sonst wird ein Haus nicht anders, denn ein Sau-