Dr. M. Luthers einfaltige Weise zu beten, w. l4Z
iicher Liebe und Treue. Das ist mir leid und bitte um Gnadeund Vergebung.
Zum vierten bete ich für mich und alle Welt, daß der liebeVater wollte uns bey seinem heiligen Wort erhalten, und das-selbe nicht von uns nehmen um unserer Sünde, Undanckbarkeitund Faulheit willen, wolle uns behüten für Rottengeistern undfalschen Lehrern, sondern sende uns treue und rechte Arbeiter inseine Ernte, das ist, treue und fromme Pfarrherren und Predi-ger, gebe uns allen auch Gnade, daß wir derselben Wort als seinselbst Wort demüthiglich hören, annehmen und ehren, darzu auchvon Hertzen dafür dancken und loben ?c.
Das vierre Gebor.
Du sollt deinen Vater und deine Mutter ehren.
Erstlich lerne ich hie, Gott, meinen Schöpffer, erkennen,wie wunderlich er mich mit Leib und Seele geschaffen, aus mei-nen Eltern das Leben gegeben, und hat ihnen das Hertz geben,daß sie mir, als ihres Leibes Frucht, mit allen Kräften gedienet,zur Welt bracht, mich ernähret, mein gewartet, gepflegt und er-zogen mit grossem Fleiß, «Sorge, Gefahr, Mühe und Arbeit, undbis auf diese Stunde mich, sein Geschöpsse, an Leib und Seelevor unzählicher Gefahr und Noth behütet, und auch oft ausge-holsen hat, als schaffete er mich alle Stunden aufs neue. Dennder Teufel uns nicht einen Augenblick das Leben gönnet.
Zum andern dancke ich dem reichen, gütigen Schöpffer fürmich und alle Welt, daß er in diesem Gebot gestifftet und bewah-ret hat Vermehrung und Erhaltung des menschlichen Geschlechts,das ist Haus - und Stadtwesen, oder Oeconomism und ?ol!t!am-denn ohne diese zwey Wesen oder Regiment könnte die Weltnicht ein Jahr stehen, weil ohne weltlich Regiment kein Friedeist; wo kein Friede ist, kann kein Hauswesen seyn; wo keinHauswesen ist, da können weder Kinder gezeugt, noch erzogenwerden, und müßte Vater- und Mutterstand gantz aufhören.Aber dafür stehet diß Gebot, und hält und bewahret, beyde, Haus-wesen und Stadtwesen, gebeut den Kindern und UnterthanenGehorsam, hält auch darüber, daß es muß geschehen. Oder, woes nicht geschieht, läßt ers nicht ungestraft, sonst hätten die Kin-der durch Ungehorsam längst alles Hauswesen und die Untertha-nen durch Aufruhr das Stadtwesen zurissen und wüste gemacht,V 10