144 Dr. M. Luthers einfältige Weise zu beten, :c.
Gedanckcn fahren, sey still und höre dem zu, ders besser kann,denn du, und was Er predigt, das mercke und schreibe es an, sowirst du Wunder erfahren (wie David sagt) im Gesetze Gottes.
Das dritte Gebot.
Du sollt den Feyertag heiligen.
Hicrinnen lerne ich erstlich, daß der Feyertag eingesetzt ist,nicht zum Müsstggang, noch zu fleischlicher Wohllust, sondern,daß er von uns solle geheiligt werden; durch unser Werck aberund Thun wird er nicht geheiliget, denn unsere Wercke sind nichtheilig, sondern durchs Wort Gottes, welches allein gantz rein undheilig ist, und alles heiliget, was damit umgehet, es sey Zeit,Statte, Person, Werck, Ruhe:c. Denn durchs Wort werdenunsere Wercke auch heilig, wie St. Paulus 1. Tim. 4, 5. sagt.-daß auch alle Creatur geheiligt wird durchs Wort und Gebet.Darum erkenne ich hicrinne, daß ich am Feyertage solle zuförderstGottes Wort hören und bedencken, darnach im selben Wort dan-cken, Gott loben für alle seine Wohlthat und beten für mich undalle Welt. Wer sich also halt am Feyertag, der heiliget den Feyer-tag; wers nicht thut, der thut arger, denn die, so daran arbeiten.
Zum andern dancke ich in diesem Gebot für die grosse,schöne Wohlthat und Gnade Gottes, daß er uns sein Wort undPredigt gegeben hat, und auf den Feyertag sonderlich zu übenbefohlen, welchen Schatz kein menschlich Hertz gnugsam bedenckenkann. Denn sein Wort ist das einige Licht in der Finsterniß die-ses Lebens, Trosts und aller Seligkeit, und wo das liebe heilsameWort nicht ist, da ist eitel schreckliche Finsterniß, Irrthum, Rot-ten, Tod, alles Unglück und des Teufels eigene Tyranney, wiewir taglich vor Augen sehen.
Zum dritten beickte und bekenne ich meine grosse Sündeund schandliche Undanckbarkeit, daß ich die Feyertage so lasterlichhabe mein Lebtag zubracht, und sein theuer werthes Wort sojammerlich veracht, so faul, unlustig und überdrüßig, dasselbe zuhören, gewesen, schweige, daß ichs hertzlich begehret, oder jemalsdafür gedanckt hatte: habe also meinen lieben Gott umsonst mirpredigen und den edlen Schatz fahren lassen, und mit Füssen drü-ber gangen, welches er mit eitel göttlicher Güte von mir gedul-det, und darum nicht abgelassen, immerfort mir zu predigen undzu russen zu meiner Seelen Seligkeit mit aller vaterlicher, gött-