Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
130
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1Z0 Vorrede auf die Lateinischen u. Deutschen BegrabnißgesSnge.

3. Demnach haben wir in unsern Kirchen die päbstlichenGreuel, als Vigilien, Seelmessen, Begängnis, Fegfeuer, undalles andre Gauckelwerck, für die Todten getrieben, abgethan undrein ausgefegt, und wollen unsere Kirchen nicht mehr lassen Klag-häuser, oder Leidstatten seyn, sondern, wie es die alten Väterauch genennet, Cooineter!?., das ist, für Schlafhäuser und Ruhe-statten halten, singen auch kein Trauerlied noch Leidgesang beyunsern Todten und Grabern, sondern tröstliche Lieder von Ver-gebung der Sünden, vom Ruheschlaf, Leben und Auferstehungder verstorbenen Christen, damit unser Glaube gestärcket, und dieLeute zu rechter Andacht gereitzet werden. Denn es auch billigund recht ist, daß man die Begräbnis ehrlich halte und voll-bringe, zu Lob und Ehre dem fröhlichen Artickel unsers Glaubens,nemlich von der Auferstehung der Todten, und zu Trotz demFeinde, dem Tode, der uns so schandlich dahin fristet, ohn Un-terlaß, mit allerley scheußlicher Gestalt und Weise.

4. Also haben (wie wir lesen) die heiligen Patriarchen,Abraham, Jsaac, Jacob, Joseph :c. ihre Begrabniß herrlich ge-halten, und mit großem Fleiß besohlen, hernach die Könige Judagroß Gepränge getrieben über den Leichen, mit köstlichem Räuch-wcrck, allerley guter, edier Gewnrtz, alles darum, den stincken-den schändlichen Tod zu dämpffen, und die Auserstehung der Tod-ten zu preisen und bekennen, damit die Schwachgläubigen undTraurigen zu trösten. Dahin auch gehört, was die Christen bis-her gethan, und noch thun an den Leichen und Gräbern, daßman sie herrlich tragt, schmückt, besinget, und mit Grabzcichenzieret. Es ist alles zu thun um diesen Artickel von der Aufer-stehung, daß er veste in uns gegründet werde; denn er ist unserendlicher, seeliger, ewiger Trost und Freude, wider den Tod, Hölle,Teufel und alle Traurigkeit.

5. Zudem haben wir auch zum guten Exempel die schönenMusika oder Gesänge, so im Pabstthum in Vigilien, Seelmes-sen und Begräbnis gebraucht sind, genommen, der etliche in dißBüchlein drucken lassen, und wollen mit der Zeit derselben mehrnehmen, oder wer es besser vermag, denn wir, doch andern Tertdarunter gesetzt, damit unsern Artickel der Auferstehung zu schmü-cke»; nicht das Fegseuer mit seiner Pein und Genugthuung, da-vor ihre Verstorbene nicht schlafen noch ruhen können. Der Ge-sang und die Noten sind köstlich, schade wäre es, daß sie solltenuntergehen; aber unchristlich und ungereimt sind die Tert oderWorte, die sollten untergeben.