Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

Vorrede auf die Lateinischen u. Deutschen Begräbnißgesange. 131

6. Gleich wie auch in allen andern Stücken thun sie es unsweit zuvor, haben die schönsten Gottesdienste, schone herrlicheStifte und Klöster; aber das Predigen und Lehren, das sie drinneüben, dienet das mehrer Theil dem Teufel, und lästert Gott.Denn er ist der Welt Fürst und Gott, darum muß er auch dasniedlichste, beste, und schönste haben. Auch haben sie köstlichegüldene, silberne Monstrantzen und Bilder, mit Kleinodien undEdelsteinen gezieret; aber inwendig sind Todtenbein, so schier vonSchindleichen, als anders woher. Item, sie haben köstliche Kir-chenkleider, Caseln, Mänteln, Röcke, Hüte, Jnfulen. Aber werist drunter oder damit gekleidet? Faule Bäuche, böse Wölfe,gottlose Saue, die Gottes Wort verfolgen und lästern.

7. Also haben sie auch wahrlich viel treffliche, schöne Musicaoder Gesänge, sonderlich in den Stiften und Pfarren, aber vielunflätiger, abgöttischer Text damit gezieret. Darum wir solcheabgöttische, todte und tolle Text entkleidet, und ihnen die schöneMusica abgestreift, und dem lebendigen, heiligen Gottes Wortangezogen, dasselbe damit zu singen, zu loben und zu ehren: daßalso solcher schöner Schmuck der Musica in rechtem Brauch ihremlieben Schöpsser und seinen Christen diene, daß er gelobet undgeehret, wir aber durch sein heiliges Wort, mit süssem Gesangins Hertz getrieben, gebessert und gestärcket werden im Glauben.Das helfe uns Gott der Vater mit Sohn und heiligem Geist!Amen.

8. Doch ist nicht diß unsere Meynung, daß diese Noten soeben müssen in allen Kirchen gesungen werden; eine jegliche Kirchehalte ihre Noten nach ihrem Buch und Brauch. Denn ichs selbstauch nicht gerne höre, wo in einem Nesponsorio oder Gesang dieNoten verruckt, anders gesungen werden bey uns, weder ich derin meiner Jugend gewöhnet bin.- Es ist um Veränderung desTextes, und nicht der Noten zu thun.

9. Wenn man auch sonst die Gräber wollte ehren, wäre essein, an die Wände, wo sie da sind, gute Epitaphia oder Sprücheaus der Schrift drüber zu mahlen, oder zu schreiben, daß sievor Augen wären denen, so zur Leiche, oder auf den Kirchhofgingen, nemlich also, oder dergleichen:

Er ist entschlafen mit seinen Vätern und zu seinem Volckversammlet. 5. Mose 3Z, V. 29.

Ich weiß, daß mein Erlöser lebet, und er wird mich ausder Erden aufwecken, und werde mit meiner Haut umgeben wer-den, und werde in meinem Fleisch Gott sehen. Hiob 19, 2Z. 26.

9*

St

AI