Auswahl aus den Briefen SuthcrS., 77
ich Einkommens gehabt von meinem gnadigen Herrn, und sonstnicht ein Heller, noch Kornlein von jemandes einzukommen ge-habt, ohn was Geschenck ist gewesen, welches droben unter denKleinoden, zum Theil auch noch in der Schuld stecket und zu fin-den ist, und ich doch von solchem Einkommen und Geschencke soviel gebauet, gekaufet, grosse und schwere Haushaltung geführet,daß ichs muß neben andern selbst für einen sonderlichen undwunderlichen Segen erkennen, daß ichs habe können erschwingen,und nicht Wunder ist, daß keine Baarschast, sondern daß nichtmehr Schuld dar ist.
Diß bitte ich darum, denn der Teufel, so er mir nicht könntenaher kommen, sollte er wohl meiner Kethen allein der Ursachenhalben allerley Weise suchen, daß sie des Mannes D. Martineheliche Hausfrau gewesen und Gott Lob noch ist.
Zuletzt bitte ich auch jedermann, weil ich in dieser Bega-bung oder Leibgedinge nicht gebraucht der Juristen Form undWörter (dazu ich Ursach gehabt), man wolle mich lassen seyn diePerson, die ich doch in der Wahrheit bin, nemlich öffentlich unddie, beyde, im Himmel, auf Erden und in der Höllen bekannt,Ansehens und Autorität genug hat, der man trauen und glau-ben mag, mehr denn keinem Notario. Denn so mir verdammten,armen, elenden Sünder Gott, der Vater aller Barmhertzigkcit,das Evangelium seines lieben Sohns vertrauet, darzu mich auchtreu und wahrhaftig darinnen gemachet, bisher behalten und ge-funden hat, also, daß auch viel in der Welt dasselbe durch michangenommen und mich für einen Lehrer der Wahrheit halten,ungeacht des Pabsts Bann, Kaysers, Könige, Fürsten, Pfaffen,ja aller Teufel Zorn: soll man je vielmehr mir hier in diesen ge-ringen Sachen glauben, sonderlich weil hier ist meine Hand, fastwohl bekannt, der Hoffnung, es soll genug seyn, wenn man sa-gen und beweisen kann, diß ist D. Martini Luthers (der GottesNotarius und Zeuge ist in seinem Evangelio) ernstliche und wohl-bedachte Meynung, mit seiner eigenen Hand und Sieget zu be-weisen. Geschehen und gegeben am Tage Euphemia, 1542-
M. Luther.