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Auswahl aus den Briefen Luthers.
gen, und dem Bösen, das ihm zugeflossen. Thut ihr nur ein glei-ches, so werdet ihr finden, daß ihr viel grösseres Gutes und medrGeschencke von Gott geschencket bekommen, als das Böse ist,welches ihr fühlet. Allein zu dieser Zeit sehen die Augen steif al-lein auf dieses Uebel, daß der Sohn auf diese Art des Todes um-gekommen ist, (denn er ist oben vom Hause herab gestürtzet undtodt aufgehoben worden), und ihr vergesset also der grossen undvortreflichen Güter und Geschencke Gottes, nemlich daß ihr habetdie Erkenntniß des Wortes, die Gnade Christi, ein gutes Gewis-sen, welches auch allein ein solcher Schatz ist, daß er billig allesandere Böse, das uns zuflössen kann, in Vergessenheit bringensollte, und niemand kanns glauben, wo er nicht erfahren hat,was vor ein Creutz es sey, ein böseS Gewissen zu haben, welcheseigentlich der Tod und die Hölle selbst ist. Da ihr nun ein gutesGewissen habet, was habt ihr Ursache, euch über des Sohnes Todso sehr zu betrüben?
Aber laß uns zugeben, daß das Uebel, das euch betroffenhat, sehr schwer sey: so ist es doch nicht gantz neu und euch al-lein zuerst begegnet. Jbr habt viele Brüder in diesem Unglücke.Abraham hat einen grösseren und hefftigercn Schmertz über sei-nen lebenden Sohn empfunden, als ihr über euren todten Sohn,weil ihm vom Herrn anbefohlen war, daß er selbst seinen Sobnund sogar denjenigen, in dessen Saamen alle Völcker sollten ge-segnet werde», schlachten sollte. Was meynet ihr, wie ihm zuMuthe gewesen, als er das Schwcrdt ergrif, seinen Sohn zu lös-ten. Jacob fühlere einen unendlichen Schmertz, als ihm angesagtwurde, daß sein lieber Sohn Joseph von den Thieren zerrissensey. Endlich, wer ist jemals mehr betrübet worden, als David,da er von seinem eigenen Sohne Absalon, den er einzig liebele,aus dem Reiche vertrieben ward? Wenn ihr euch diese und ähn-liche Exempel vorhaltet, werdet ihr sehen, daß euer Unglück undSchmertz noch gar nicht einmal dem kleinsten Theils nach demUnglück und Schmertz dieser gleich komme, und daß euer Schmertzdurch diese Vergleichung sehr gelinderr und schwacher werde. Aberihr werdet sagen.- Mein einiger Sohn ist gestorben, und zwardurch eine erschreckliche Todes-Art. Warum bekümmert euch die-ses denn so sehr? Gott ist allmächtig; er kann euch nicht eine»,sondern viele wiedergeben. Gesetzt aber, daß er nicht allein nicktwolle einen andern geben, sondern daß ihr auch eure Ehegattin,eure Güter und alles das eurige verlöret: würdet ihr doch nichtUrsach haben, euch so gar sehr zu betrüben. Denn ihr hättet noch