Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
72
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Auswahl aus den Briefen Luthers.

An eben denselben.

Gnade und Friede im Herrn! Ich habe, lieber Spalarin,gedacht, ich hätte euch schon auf die Fragen wegen des Wuchersgeantwortet. Denn so viel besinne ich mich, daß ich mir vorge-nommen gehabt, euch zu antivorten. Aber so geht mirs täglich,auch in andern Sachen, da ich so viel Geschäfte und Noth aufdem Halse habe. Aber zur Sache.

Eure Fragen wegen des Wuchers in Getreidesachen könnenauf nichts gewisses gesetzt werden, weil die Zeiten, Personen,Oertcr und Fälle so unterschieden sind. Darum muß mans zu ei-nes jeden Gewissen stellen, daß er das natürliche Gesetz vor sichnehme, und also dencke: Wolllest du, daß dir das gethan würdevon einem andern, was du ihm thust? Denn das ist das Gesetzund die Propheten, sagt Christus, Matth. 7. Zugleich wird auchein gut Gewissen bedencken, was Sprüchw. lt. geschrieben ste-het: Wer Getreide aufhebet (oder verbirgst), dem fluchen dieLeute. Der Segen aber kommt auf den, der es verkauft. Undwas Amos, C. 8, von den Geitzigen saget: Daß wir den Se-ckel steigern und das Epha (oder das Gewicht) verringern. Wie-wohl eure Frage darauf nicht gehet, weil ihr nicht von Geitzigen,sondern von den Frommen und Guten schreibet. Darum mögensie sich in solchen ungewissen Dingen selber antworten, da siedurch Gesetze nicht geordnet werden können. Gehabt euch wohlim Herrn. Den dritten Tag nach Scholastica, t544.

Euer Martin Luther, D.

An Stephan Rodt.

Gnade und Friede im Herrn. Obgleich ich elender Mensch,mein lieber Stephan, mehr als zu viel um Gottes Wort willengeplaget werde: so betrübet michs doch auch nicht wenig, daß ihrund eure Zwickauer so prahlhaft Gott und seine Diener verach-ter. Laurentium Soranum habt ihr öffentlich verwiesen, aber ihrhabt ihn öffentlich bestrafet, da er doch keines öffentlichen Ver-brechens überwiesen, ja nicht einmal verhöret war; alle aber neu-