gg Auswahl aus den Briefen Luthers.
welcher ich euch von Gott gezieret und begäbet sehe. Und solcheLiebe lasset mich hoffen, es werde euch mein Brief keine Gefahrbringen. Denn wer wollte auch unter Türcken strafen, daß maneine Kunst liebe und den Meister darinnen lobe? Ich lobe undverehre auch eure Herzoge von Bayern, ob sie mir wohl nichtgar hold sind, dennoch gar sebr und vor andern darum, daß siedie Music so hegen und in Ehren halten. Und es ist kein Zwei-fel, es stecket der Saame vieler guten Tugenden in solchen Ge-müthern, die der Music ergeben sind; die aber nicht davon ge-rührt werden, die halte ich den Stöcken und Steinen gleich.Denn wir wissen, daß du Music auch den Teufeln zuwider undunerleidlich sey.
Und ich halte gäntzlich dafür, und schäme mich auch nicht,es zu bejahen, daß nach der Theologie keine Kunst sey, die mitder Music zu vergleichen sey, dieweil sie allein nach der Theolo-gie dasjenige thut, was sonst die Theologie allein thut, nemlich,daß sie Ruhe und einen srölichen Muth macht, zu einem klarenBeweis, daß der Teufel, welcher traurige Sorgen und alles un-ruhige Lermen stisstet, fast vor der Music und deren Klänge ebenso fliehet, als vor den Worten der Gottesgelahrheit. Daher diePropheten keine Kunst so gebraucht haben, als die Music, da sieihre Theologie nicht in die Erdmcß-, Rechen- oder Sternkunst,sondern in die Music gefasset, daß die Gottesgelahrheit und Mu- isie beysammen stünden, indem sie die Wahrheit in Psalmen undGesängen gesaget.
Aber was lobe ich die Music jetzt auf einem so engen Pap-pier, und will ein solch groß Ding mahlen, oder vielmehr verun-zieren? Aber mein Affect oder Neigung dazu wallet mir so starckauf gegen sie, die mich oft erquicket und mir grossen Unmuth ver-trieben hat.
Ich komme wieder auf euch, und bitte, wenn ihr etwa eineWeise zu dem Liede habt: In psce in iä ipsum, daß ihr mir siedoch abschreiben und zuschicken lasset. Denn derselbe Inhalt hatmich von Jugend auf ergehet, und um desto mehr, da ich dieWorte verstehe. Denn ich habe diesen Gesang nicht mit mehrcrnStimmen singen höc^n. Ich will euch aber nicht die Mühe ma-chen, daß ihr erst eine Weise aussinnen und aussetzen solltet, son-dern ich hoffe, daß ihr schon eine sonst woher haben sollet. Ichhoffe, daß mein Lebensende bald da seyn werde, und die Welthasset mich und kann mich nicht leiden. Und mir hinwiederumgrauet und eckelt auch vor der Welt. Mag also auch der beste