Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
65
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Auswahl aus den Briefen Luthers. 65

blühete. Aber es trist mich auch Luft und Hitze, daß ich wie die-ses unser dürres und durstiges Land bin. Sehet ihr aber zu,daß ihr in Christo starck werdet, dessen Werck und Kunst, jagantzes Reich ist, daß die Kraft und der Sieg in unsrer Schwach-heit wachse. Die Gottlosen sreuen sich, sind sicher, schnauben mitDrohen und Morden, wir aber wollen leiden und traurig seyn.Das muß alles so gehen, daß auch die Schrift an unserm Leibeerfüllet werde; denn wenn die nicht erfüllet wird, so ist es ausmit uns, wenn sie aber erfüllet wird, so werden wir leben.

Ihr leidet nicht allein, sondern habt Gesellschaft, die auchvom Leiden matt sind und seufzen: Wir werden geachtet alsSchlachtschafe. Ist doch eitel Leiden, eins über das andere, weilder nicht schlaft, noch ruhet, der uns hasset und verfolget.

Hernach habet ihr viele und grosse Gaben, die wider diß ei-nige Uebel dienen, wenn ihrs nur bedencket und unter denselbendie, welche die Schrift für die höchste preiset und saget: Es isteine Gnade über alle Gnade um ein schamhaftig Weib, und einekeusche Seele kann man nicht genug schätzen. Angleichen- Werein fleissig Weib findet, die ist besser, als Edelstein ec. Ihr wür-det auch selbst nicht, wie der reiche Schlemmer, immer in Wohl-leben seyn wollen, daß ihr in keinem Stück den Brüdern Christigleich wäret, die durch viel Trübsalen das Reich Gottes mit Ge-walt an sich reisten. Darum bitte ich euch, daß ihr diese Vater-zucht willig auf euch nehmet. Denn es ist eine Zeit, frölich, undeine Zeit, traurig zu seyn. Das eine nehmen wir gern an, somuß man das andere auch nicht von sich flössen. Der Herr Je-sus, der euer Söhnlein zu sich genommen hat, und es besser ver-sorgen wird, als ihr, der tröste und starcke euch, Amen. Aus demReich der Dohlen. Den 19. Mai 1530.

Markin Luther.

An Ludcwig Senseln, den Musicanten.

Gnade und Friede in Christo! Ob wohl mein Name so ver-haßt ist, daß ich sorgen muß, man möchte auch mein Schreiben,so ich hier schicke, nicht gerne sehen oder lesen, lieber Ludewig -so hat doch die Liebe zur Music solche Furcht überwunden, mitV s