Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
Seite
63
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Auswahl aus den Briefen Luthers. 55

An Caspar Aquilam, Pfarrer in Saalfeld.

Gnade und Friede in Christo! Ob ihr wohl, lieber CasparAdler, werth seyd, daß ich euch sehr grosse Briefe schreibe, so laßtdock) die Menge so vieler zu schreibenden Briefe und andrer Sa-chen nicht zu, daß ich hierinnen thun kann, was ihr werth seyd.Darum werdet ihr zufrieden seyn und meinen Willen für dieThat annehmen.

Anstatt aber meiner Briefe, wenn ihr wollet und anhaltet,werden leicht die Haufen Leute, so diesen Brief bringen, ersetzenund euch alles erzählen, was bey uns vorgehet und wie alles ste-llet. Ihr wisset auch, daß man ihnen sicher glauben kann und siedarzu aller Ehre und Liebe werth sind. Sehet ihr zu, daß ihr denHerrn für mich bittet, daß er mich nicht in des Satans Rachenstecken lasse. Es grüsset euch unser Jonas, meine Kethe und alledie Unsrigen. Gehabt euch allezeit hertzlich wohl in Christo. Wit-tenberg, des Sonntags Latare, Anno 1529.

Euer Martin Luther.

An Justum Ionam.

Die Gnade Gottes sey mit euch, Amen! Ich dancke euch,daß ihr für mich fleissig betet. Ich bin die gantze Zeit, seit derihr weggereiset, durch einen gewaltigen und fast tödtlichen Flußgeplagt gewesen, daß ich weder mucken, noch reden, ja nicht ein-mal husten können, ja daß ich kaum glaubte, ich würde wiederreden können. Es ist auch noch nicht alle. Ich brauche das gott-selige Gebet vor andern. Wenigstens, wenn es eine ApostolischeGabe ist, immer mit den Teufeln zu kampffen und öfters imTode zu seyn, so kann ich in diesem Stück ein Petrus und Pau-lus seyn, obschon die andern Gaben nicht so apostolisch seyn, son-dern schachcr- und zöllner- und sünderhast.

Gehabt euch wohl und betet für mich. Den 15. April,1529.

Martin Luther,