12 Auswahl aus den Briefen Luthers.
dencken, daß zuletzt ein dos Geschrey würde, auch nicht zu verant-worten ist, wo die Schulen und Pfarren niederliegen, und der Adelsollte die Klostergüter zu sich bringen, wie man denn schon sagt undauch etliche thun. Weil nun solche Güter E. C. F. Gn. Kammernickts bessern und endlich doch zu Gottesdienst gestifft sind, sollensie billig hierzu am ersten dienen. Was hernach übrig ist, mag E.C. F. Gn. zur Landes Nothdurft oder an arme Leute wenden.Gottes Gnade sey mit uns, Amen.
Donnerstag nach Elisabeth (den 19. Nov.) 1Z2S.E. C. F. Gn.
unterthanigecMartinus Luther.
Trostschrifr D. Martin Luthers, dem Herrn LeonhardKaysern in sein Gefängniß zugeschickt.
Dem würdigen und lieben Bruder in Christo, dem treuen und liebenDiener und gefangenen Christi Leonhard Käyser.
Gnade, Starcke und Friede in Christo. Daß dein alterMensch, lieber Herr, gefangen, ist der Wille und Beruf Cbristi,deines Heilandes, der auch seinen neuen Menschen für dich unddeine Sünde dargegcben hat in die Hände der Gottlosen, daß ermit seinem Blut dich erlöset, zum Bruder und Miterben des ewi-gen Lebens.
Uns ist ja leid für dich, thun auch Fleiß und bitten, daß duledig werdest, nicht um deinet willen, sondern daß du vielen mögestnütze seyn, Gott zu Ebren, wo es sein Wille ist. Jsts aber derWille im Himmel, daß du nicht ledig werden sollt, so bist du dochfrev, sicher im Geist; siehe nur, daß du starck seyest und bestandig-lich die Schwachheit des Fleisches überwindest, oder ja geduldig tra-gest durch die Kraft Christi, der mit dir im Kercker ist, wird auchden dir seim in aller Notb, wie er denn gar freundlich und treulichverbeißt, Psalm 9t, 15.- Ich bin bey ihm in der Noth ?r
Darum ist noth, daß du mit gantzer Zuversicht zu ihm schrevestim Gebet, und mit Trostpsalmen dich aufrichtest und erbaltest indielem grimmigen Zorn des Satans, daß du mögest im Herrn ge-