Druckschrift 
5 (1827)
Entstehung
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11
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Auswahl aus den Briefen Luthers.

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An Churfürst Iohannem zu Sachsen.

Gnad und Friede in Christo, Durchlauchtiger, HochgcbornecFürst, gnadigster Herr! Ich habe Ew. C. F. Gn. lange nicht Sup-plication bracht, die haben sich nun gesammelt. Ew. C. F. Gn.wollte Geduld haben, es will und kann nicht anders seyn.

Es ist, gnadigster Herr, Klagens über alle Maaß viel derPfarrherrn fast an allen Orten. Da wollen die Bauern schlechtsnicht mehr geben, und ist solcher Undanc? unter den Leuten für dasheilige Gottes Wort, daß ohne Zweifel eine grosse Plage vorhandenist von Gott, und wenn ichs mit gutem Gewissen zu thun wüßte,möchte ich wohl dazu helfen, daß sie keinen Pfarrherrn oder Predi-ger hatten, und lebten, wie die Saue, als sie doch thun; da ist keineFurcht Gottes, noch Zucht mehr, weil des Pabst Bann ist abgegan-gen, und thut jedermann, was er nur will.

Weil aber uns allen, sonderlich der Oberkeit geboten ist, vorallen Dingen doch die arme Jugend, so taglich geboren wird und da-her wachst, zu ziehen und zu Gottesfurcht und Zucht halten, mußman Schulen und Prediger und Pfarrherr haben. Wollen die Al-ten ja nicht, mögen sie immer zum Teufel hinfahren. Aber wo dieJugend versäumet und unerzogen bleibt, da ist die Schuld der Ober-keit, und wird dazu das Land voll wilder, loser Leute, daß nicht al-leine Gottes Gebot, sondern auch unser aller Noth zwingt, hierinnFleiß vorzuwenden.

Wo eine Stadt oder Dorf ist, die des Vermögens sind, hat E.C. F. Gn. Macht, sie zu zwingen, daß sie Schulen, Predigtstühle,Pfarren halten. Wollen sie es nicht zu ihrer Seligkeit thun, nochbedencken, so ist E. C. F. Gn. da, als oberster Vormund der Ju-gend und aller, die es bedürfen, und soll sie mit Gewalt dazu hal-ten, daß sie es thun müssen; gleich als wenn man sie mit Gewaltzwingt, daß sie zur Brücken, Steg und Weg, oder sonst zufälligerLandesnoth, geben und dienen müssen.

Was das Land bedarf und noth ist, da sollen die zu geben undhelfen, die des Landes gebrauchen und gemessen. Nun ist kein nö-thiger Ding, denn Leute ziehen, die nach uns kommen und regierensollen. Sind sie aber des Vermögens nicht und sonst zu hoch be-schweret, so sind da die Klostergüter, welche vornemlich dazu gestisstsind und noch dazu zu gebrauchen sind, des gemeinen Mannes destodas zu verschonen. Denn es kann E- C. F. Gn. gar leichtlich be-