10 Auswahl aus den Briefen Luthers.
und also mit ungläubigem Gebet Gott nur mehr erzürnen. Den»was ists anders, so ich oftmals um eine Sache bitte, denn so viel,daß ich in dem vorigen Gebet nicht erhöret bin, und also wider seineZusage gebeten habe. Man soll immer bitten, ist wahr; aber dochim Glauben und immer gewiß seyn, daß man erhott sey, sonst istdas Gebet verloren. So ist auch immer anders und anders vor-handen, zu bitten.
Christus erleuchte und starcke E. Gn. in rechtem Glauben undLiebe gegen den Nächsten, Amen. Zu Wittenbcrg, am Tage Ae-gidii, An. 1524.
Ew. Gn.
willigerMartinus Luther.
An Churfürst Zohannem, Philipp Melanchthonis Sa-larium betreffend.
Gnad und Friede in Christo. D. H. F. G. H. Es hat E.C- F. Gn. in der Ordnung der Universität befehlen lassen, M. Phi-lippen 200 fl. jahrlich zu geben. Nun beschweret sich der Mensch,solches zu nehmen, aus der Ursache, denn weil er nicht vermag, sosteif und taglich in der Schrift zu lesen, möchte ers nicht mit gutemGewissen nehmen, und meynet, E. C. F. G. fordere solch gestrengesLesen von ihm, so hilft mein Sagen und Deuten gar nichts bey ihm;ist derohalben mein unterthanigliche Bitte, E. C. F. Gn. wollte ihrGemüthe selbst gegen ihn lautern und deuten, als daß sie zufriedensey, daß er die Theologie helfen handhaben mit der Disputation undLesen, wie vorhin geschehen, doch so viel er vermag, es sey gleich dieWoche nur einmal, oder wie er kann. Denn wenn gleich E. C. F.Gn. solchen Sold ihm ein Jahr oder zwey schenckte, wäre er es dochwohl werth, denn er zuvor wohl zwey Jahr ohne Sold in der Schriftgelesen hat, mit grosser Arbeit und Frucht, und vielleicht sich auchdamit zum Theil so verderbt. Ich wollte ja gerne die Schrift hierin den Schwang bringen, weil man bey uns an allen Orten suchetder Schrift Verstand. Hiemit Gott besohlen, Amen. Freytags nachAgatha (den 9. Febr.), Anno 1526.
Martinus Luther