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Der hundert und zehnte Psalm.
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ten: so war ihnen das Gebot nur eine unträgliche Last undBürde und ihnen unmöglich zu erfüllen. Denn Gottes Gebotmuß freylich erfüllet werden, und das ist der Natur nicht möglich.Die andere Zeit ist der Gnaden und Hülfe Zeit, durch welche derMensch gestärcket wird, frey Gottes Willen und Gebot zu halten,aus lauter Gottes Liebe, nicht dieselben zu thun um ihres Nu-tzens oder Lohnes willen, auch nicht zu lassen, weder durch Leiden,noch durch Sterben. Das ist nun nicht der Natur, sondern derGnaden Werck.
In heiliger Zierde.
Das ist, sie werden mit innerlichem Schmuck gezieret seyn,als den niemand stehet, denn Gott und wer Gott stehet und er-kennet; als im 45. Psalm, 14: Aller Schmuck des Königes,Christi, Tochter ist inwendig und verborgen. Aber die geistlicheZierde und heiliger Schmuck ist so tief verborgen, nicht allein denandern Menschen, sondern auch ihnen selber, daß sie sein nichtwissen. Ja sie können es nicht wissen, anders wäre es nicht eineverborgene Zierde. Und ob sie nun alle die obengenannte welt-liche Zierheit und Schmuck hatten, so ist ihnen doch, als hattensie nichts, denn Unflath und Ungestalt, vor tiefer Einsenckungihres Willens und Begierde in Gottes Willen, ohne welchesWillen sie nichts achten, noch wissen, in welchem sie also sindverschwunden und lauter ausgangen mit Abraham von allen Din-gen, 1. Mos. 12, 1, daß sie nicht mehr, denn Gott achten. Dar-um, so lauter, als Gottes Wille ist und schöne, also schön sindsie auch, auch darum, daß sie darein sich geschlagen haben.
Aus dem Leibe der Mutter der Morgenröthe wird dir
geboren werden der Thau deiner Kindschaft.
Das Wörtlein: Mutter, heißt hier nicht eine gantze persön-liche Mutter, als ein Weib Mutter heißt, sondern das, da dieFrucht im Mutterleibe empfangen und bis zu der Geburt ernähretwird. Nun wird die zarte Jungfrau Maria an vielen Orten ge-nannt eine Morgenröthe, darum, daß sie den wahren Tag unddas ewige Licht, und die Sonne der Gerechtigkeit, Christum, her-vorgebracht hat. Aus derselben Morgenröthe Mutter wird kom-men der Thau deiner Kindheit, das ist, durch himmlische Wir-ckung des Heiligen Geistes wird deine Kindheit kommen von einerJungfrauen. Denn darum nennet er seine Kindheit einen Thau,daß, gleichwie der Thau ohne menschliche Gedancken, Wort undWerck vom Himmel fällt: also ist die zarte Menschheit Christiauf biß Erdreich von Maria gekommen, ohne Mannes und Men-
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