Der ein und fünfzigste Psalm. 249
daß wir nicht von der Sünde und bösen Begierden des Fleischesüberwunden werden, wie St. Paulus (Rom. 8, 13.) spricht:Wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen;wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, sowerdet ihr leben. Nun widerfahret uns, daß unser viel in sol-cher Sicherheit dahin leben, gleich als waren wir nichts anders,denn lauter Geist, und wäre nun gar kein Fleisch mehr an uns.Darum muß man lernen, daß noch Fleisch und böse Lüste in unsstecken, und daß des Geistes Amt und Merck sey, daß er widerdas Fleisch fechte, und demselbigen Widerstand thue, daß dasFleisch nicht das in uns vollbringe, so es begehret. Darum istein Christ an ihm selbst und an seiner Natur und Wesen nichtgantz von Sünden rein, fromm und gerecht, es ist auch solcheGerechtigkeit nicht in und an uns, sondern sie steht ausserhalbunser, in der Gnade und Barmhertzigkeit Gottes gegen uns, daßer unsere Sünde tilget, und uns dieselbige erlässet; welche Ver-gebung der Sünden diese erlangen, so ihre Sünde von Hertzenbekennen und fühlen, und auch glauben, daß Gott uns gnädigund barmhertzig seyn wolle von deßwegen, daß er seinen liebenSohn Jesum Christum für unsere Sünde gegeben und wir auchan ihn gegläubet haben. Wenn wir nun diese Gerechtigkeit durchden Glauben erlanget haben, alsdenn bedürfen wir des Badesoder Waschens, davon der Psalm hier redet. Das ist und Heissetdann ein Christlich Leben, wie St. Paulus zu den Col. 3, 1, 3,aus der Massen fein beschreibet, da er also spricht: Seyd ihrnun mit Christo auferstanden, so suchet was droben ist w. Dennihr seyd gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo inGott:c. und 2. Cor. 7, 1.- Dieweil wir nun solche Verheissunghaben, meine Liebsten, so lasset uns von aller Befleckung desFleisches und des Geistes reinigen, und fortfahren mit der Hei-ligung in der Furcht Gottes. Das sind die zwey Stücke derChristlichen Gerechtigkeit. Das erste Stück ist die Gnade, souns durch den Herrn Christum verkündiget ist, daß wir durchChristum einen gnädigen Gott haben, und uns die Sünde nichtmehr beschuldigen noch anklagen kann, sondern, daß nun das Ge-wissen durch Zuversicht göttlicher Barmhertzigkeit frey, sicher undzufrieden seyn kann. Das andere ist, daß uns der Heilige Geistmit seinen Gaben gegeben und gesckencket wird, welcher uns er-leuchtet wider alle Befleckung des Geistes und des Feisches, daßwir durch ihn vor allem teufelischen Jrrthum behütet werden,durch welchen der Satan die Welt verführet; daß also durch den