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Der ein und fünfzigste Psalm.
Laster, welche, als die Hefen, der Prophet in ihm stehet, undwie er oben insgemein um die Vergebung der Sünden gebetenhat, also bittet er auch hier, daß diese übrigen Hefen der Sündenauch ausgcfeget wögen werden. Darum ist beydes wahr, daß einChrist nicht ein Sünder ist, und daß alle Christen Sünder sind.Daher kommt dieser Unterschied, daß in Christen zweyerley Sündeist: erstlich Sünde, so ihnen erlassen und vergeben ist, zum an-dern Sünde, so noch in uns übrig bleibet, welche Gott waschen,reinigen und in uns ausfegen muß. Die erlassene oder vergebeneSünde ist die, so durch Zuversicht der Barmhertzigkeit Gottesgetilget ist, daß sie uns nicht anklagen, noch verdammlich seynkann. Gleichwohl reget sie sich noch in unserm Fleische, wolltegern solche Frucht bringen, wie zuvor, damit wir sicher, undanck-bar, ohne Erkenntniß G: ttes, wie wir zuvor gewesen, wiederumseyn sollten. Deß unterstehet sich die Sünde, so noch in unsübrig bleibet, welchen Kampf die Heiligen wohl fühlen; sie setzensich aber darwider durch Hülfe des Heiligen Geistes. Darum,wenn ein Christe durch den Glauben fromm und gerecht wordenist, und Vergebung der Sünden empfangen hat- so muß er bey-leibe nicht sicher seyn, gleich als wäre er nun aller Sünden losund frey, sondern es erhebt sich dann allererst ein ewiger Kampfund streit wider die Sünden, so in uns stecken bleiben, vonwelchen auch der Prophet hier begehret, rein gewaschen zu werden.Er ist wohl fromm, gerecht und heilig, doch durch eine fremdeGerechtigkeit, die ihm nicht angeboren ist, das ist, er ist gerechtaus Gnaden und Barmhertzigkeit Gottes.
Solches versteht man aus diesem Gleichniß: Wenn eineran eines Fürsten Hofe den Kopf verwircket hatte, und der Fürstliefst ihn aus Gnaden frey und los, würde man da nicht sagen,daß demselben seine Verwirckung nicht aus seinem eigenen Ver-dienste, sondern allein umsonst, aus lauter Gnade des gütigenFürsten, erlassen wäre? Denn er hatte ja nichts anders verdie-net, denn den Tod. Einem solchen aber ist es nicht genug, daßman ihm die Schuld erlasse, sondern man muß ihn auch ausdem Kercker lassen, mit Kleidung, Geld und anderm, das er be-darf, helfen, damit er sich erhalte. Also gehet es auch hier indieser Sache zu, wenn wir von Gott fromm und gerecht gemachtwerden. Denn wenn wir durch die Gnade Gottes also von un-serer Schuld frey worden sind, alsdenn bedürfen wir auch derGaben des Heiligen Geistes, welcher in uns das übrige und dieHefen der Sünde ausfege, oder ja zum wenigsten uns helfe, auf