2-! 6 Der ein und fünfzigste Psalm.
ist allein heilig, wie denn die Christliche Gemeinde singet- Heiligist unser Gott, der Herr Zebaotb. Wir aber und alle Glaubigeheissen daher heilig, daß sich Christus für uns geheiliget und unsseine Heiligkeit geschenckt hat. Daß also unter uns Menschenkein Unterschied ist, alle zugleich sind wir Sünder und werdendurch Christum heilig. Der Schacher am Creutz zur Rechten isteben sowohl in Christo heilig, als St. Petrus, und liegt nichtsdaran, daß St. Petrus und St. Paulus grössere Wercke, dennder Schacher, ich und du, gethan haben; denn wir sind auf bey-den Seiten von Natur Sünder und bedürfen der Gnade undBarmhertzigkeit Gottes. Ob nun wohl etliche Heiligen wenigereausserliche und grobe" Sünden begangen, haben sie doch alle, auchdie Apostel, oftmals in ihrem Hertzen Vermessenheit, Ueberdruß,Gedancken der Verzweiflung, Verleugnung Gottes und derglei-chen andere menschlicher Schwachheit Gebrechen gefühlet: also,daß man im Menschen nichts Heiliges, nichts Gutes sehen nochfinden kann, wie der drey und fünfzigste Psalm, V. 3, 4, sagt:Gott schauet vom Himmel auf der Menschen Kinder, daß ersehe, ob jemand klug sey und nach Gott frage. Aber sie sindalle abgewichen und allesammt untüchtig, da ist keiner der Gutesthue, auch nicht einer. So unter den Menschenkindern niemandfromm ist, noch Gutes thut, wo findet man sie denn? Darumwollen wir von unsrer Heiligkeit und unfern Heiligen stille schwei-gen, und nichts davon rühmen. Wir wissen aber aus diesemPsalm und aus der gantzen Schrift, daß die gcheiliget sind, sounbußfertige und verstockte Sünder gewesen, nun aber bußfertigeSünder werden, sich bessern und ihre Sünde bekennen; die sichnicht auf ihre Frömmigkeit verlassen, deren sie keine haben, son-dern deren Hertzen gereiniget werden durch den Glauben an Chri-stum und durch den Heiligen Geist also erleuchtet, daß sie sichselbst und Gott recht erkennen können, daß alle unsere Natur,Wesen und Leben vor Gott böse und verdammt sey, und unsaus lauter Barmhertzigkeit Gottes umsonst vergeben werde. Indiesen Schoos der Barmhertzigkeit Gottes müssen wir und alleHeiligen uns finden, sonst ist es mit uns verloren. Und ebendarum hat Gott seinen Sohn gesandt, daß er diese Barmhertzig-keit der Welt verkündigte, und solche Lehre, davon die Vernunftund menschlich Hertze nichts wissen, ausbreitete und bekanntmachte. Diese Lehre halt uns David hier für, da er seine Sündebekennet, doch also, daß er auch bekennet, daß Gottes Barmher-tzigkeit viel grösser sey. Darum sollen alle Menschen diesen Vers