Der ein und fünfzigste Psalm.
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wir zu Gottes Barmherzigkeit Zuflucht haben, daß wir bey Gottsie Vergebung und Gnade suchen, daß er nicht unsere Sündeund Missethat ansehe, sondern durch die Finger sehe und mituns nach seiner Güte und Barmhertzigkeit handele. Wenn dasGott nicht thut, so sind wir nicht würdig, daß uns Gott eineeinige Stunde leben lassen, ein einig Stück Brods gebe :c. Hier.wer erfahren wir, wie das so eine grosse Kunst und trefflichschwer ist, diese zwei) Stücke zu vereinigen und zusammen brin-gen, und die Augen allein auf die blosse Gnade und Barmher-tzigkeit Gottes richten. Denn diese Kunst wachst nicht in unsselbst, sondern wird uns durch den Heiligen Geist vom Himmelherab gegeben. Das Widerspiel aber finden wir wohl, daß solcheund dergleichen Dörner in unserm Garten und Hertzen wachsen,daß ich also gedencke: Ach ich bin ein Sünder, Gott aber istfromm und gerecht und zürnet mit mir. Diese Dornstraucherkann das Gewissen nicht ausreuten, kann den Sünder nicht vorden gütigen und barmhertzigen Gott stellen; denn dieses zu thun,ist eine Gabe des Heiligen Geistes, welche in unserm Willen undVermögen nicht stehet. Denn wenn der Mensch den Geist Got-tes nicht hat, so verstocket er entweder in seinen Sünden, oderfallt in Verzweiselung; diß beydes aber geschieht wider den Wil-len Gottes. Darum schiffet David, aus Hülfe des Heiligen Gei-stes, fein mitten zwischen denen gefährlichen Felsen und erwegetsich auf die grosse unaussprechliche Barmhertzigkeit Gottes undspricht- Deine Barmhertzigkeit ist groß, Herr, ich aber bin einelender verdammter Sünder, der ich übel gelebt habe und nochübel lebe und, so lange ich lebe, der Sünden nicht los werde.Derohalben, soll ich vor dich kommen, so muß ich andere Gedan-cken vor dich bringen, denn die mir mein Hertz eingibt. Darumbekenne ich dir meine Sünde und verhele meine Missethat nicht,wie er auch im 32. Psalm, V. Z spricht. Aber ich bekenne alsomeine Sünde, daß ich auch das bekenne, daß du barmhertzigseyst und daß deine Güte viel grösser sey, denn meine Sünde,daß auch deine Gerechtigkeit, durch welche du die armen Sünderfromm und gerecht machest, viel grösser sey, denn daß ich sollteverzweifeln; wie er denn hier saget: Tilge meine Sünde nachdeiner grossen Barmhertzigkeit. Darum muß man den alten Jrr-thum und erdichteten Wahn ablegen, daß man, nach der Men-schen Weise und Gewohnheit, Sanct Petrum, Sanct Paulumheilig nennet und meynet, daß sie ohne alle Sünde gewesen sind.Denn sie sind Sünder gewesen, wie andere Menschen; Gott aber
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