Der ein und fünfzigste Psalm. 245
lichem Saamen gezeuget, und meine Mutter hat mich in Sün-den empfangen. Da bekennet er, daß der Mir ein sehr grosserSünder sey. Darum sollen wir diese Kunst auch lernen, daßdiese mancherleycn Gedancken, welche uns von dem Gebet wollenabwenden und treiben, uns desto mehr zum Russen und Schreyenbewegen sollen. Wie wir von dem Blinden im Evangelio lesen,welcher je mehr er gescholten ward, daß er nicht sollte ruffen undschreyen, je mehr und hcfftiger er schrye. Matth. 20, 30, 31.Welche das thun, die beten recht. Das gehet aber nicht zu ohnegrossen Kampf des Geistes. Denn ich habe es selbst erfahren,daß mich solche Gedancken oftmals von dem Gebet abgewandt;doch bin ich durch die Gnade Gottes zu dem Verstände nun ge-kommen, daß ich dem Satan, so wider mich ficht, nun nichtmehr weiche, sondern ihn oftmals durch Gnade und Hülfe desHeiligen Geistes mit seinem eigenen Schwerdt schlage und zurücktreibe, und also spreche: Du willst mich damit von dem Gebetabschrecken, daß ich ein Sünder bin; ich sehe aber, daß biß diegrößte und einige Ursache ist, die mich zum Beten treiben sott,daß ich ein grosser Sünder bin, und der Gnade und Barmher-tzigkeit Gottes hoch vonnöthen habe und bedarf. Doch müssenwir auch den Trost ergreiffen, daß wir nicht allein sprechen: Gottsey mir gnadig, sondern der Geist in unserm Hertzen, der sprichtund betet solches mit uns mit unaussprechlichem Seufzen, Rom.
3, 15, 26. Solch Seufzen, wie wohl wir es nicht sehen, nochvollkömmlich verstehen, so stehet es doch Gott gantz klar und helle,und verstehet es gar sehr wohl, welcher auch ein Geist ist, Joh.
4, 24. Derohalben, aus Zuversicht solches Betens und Mitge-bülfens, sollen wir, auch mitten im Streit und Kampf der An-fechtung, dem Satan Widerstand thun und also sprechen: Binich ein Sünder, was ist es nun denn mehr? Gott ist barmher-tzig. Bin ich von wegen der Sünde zu beten ungeschickt, wohl-an, wie soll ich ihm thun? Ich begehre nicht geschickter zu seyn;denn ich bin leider allzu ungeschickt zu beten, weil ich ein grosserund greulicher Sünder bin. Das lehret uns hier David, daß dieSünder, welche ihre Sünde fühlen, getrost auf Gottes Gnade,in Christo verheissen, seyn sollen, und daß der gerechte Gott mitdem armen Sünder solle und müsse versöhnet'Und vereiniget wer-den, auf daß wir Gott nicht allzusehr in unfern Sünden fürchten,sondern mit David das: Gott sey mir gnadig, recht singen. Aufdaß das Wort: Mir, und das Wort Gott, uns am Gebete nichthindern, so müssen wir dazwischen das Wort: Gnadig, setzen,
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