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Der ein und fünfzigste Psalm.
die Sophisten also beschrieben und ausgelegt, daß es alles sey,was wir mit Worten, Wercken oder Gedancken wider GottesGebot thun. Diese Beschreibung aber der wircklichen Sündenist viel geringer und enger gespannt, denn daß dadurch die Grosseder Sünde und die Kraft, so sie in der verderbten menschlichenNatur hat, könne angezeigt oder verstanden werden. Dennwenn man von der Sünde recht reden und lehren will, muß mandie Sünde tiefer betrachten und anzeigen, aus was Wurtzel sieund alles gottlos Wesen herwachse, und es nicht bey begangenenSünden allein bleiben lassen. Denn aus dem Irrthum, daß mannicht weiß, noch verstehet, was Sünde ist, entstehet, wie es dennpfleget, auch noch ein anderer Jrrthum, daß man auch nicht wis-sen noch verstehen kann, was Gnade sey. Davon ist der Unrathgekommen, daß sie kein erschrocken Gewissen, so sich vor dem Tode,vor Gottes Zorn und Gericht fürchtete, trösten konnten. Denn wiesollte der einen können trösten, der nicht weiß, noch verstehet, wasGnade ist? Darum sielen sie auf diese Thorheit, daß sie solche be-trübte Menschen zu Kappen, Möncherey, Nonnerey und anderndergleichen Wercken, dadurch sie vermeynten, Gott zu versöhnen,wiesen. Darben siebet man öffentlich, daß sie nicht recht verstanden,was Sünde oder Gnade sey, und also ohne Gottes Wort, schlechtnach der Vernunft von diesen hohen Artickeln gelehret haben.
Auf daß wir aber zum Psalm greiffen, soll man wissen,daß uns hier die Lehre von rechter Busse wird vorgehalten. Zurechter Busse aber gehören zwey Stücke: Erstlich, daß man dieSünde, darnach auch die Gnade erkenne, das ist, daß eine wahr-haftige Furcht Gottes und Erschrecken um unserer Sünde willenda sey. Zum andern, daß man auch wisse und glaube, daß Gottgnadig und barmhertzig seyn wolle allen, die an Ehristum glau-ben. Diese zwey Stücke der Busse hat uns David hier in diesemGebet auf das allerschönste abgemahlet. Denn im Anfang desPsalms, wie wir sehen, stecket er in der Erkenntniß der Sünde i,in Erschrecken und Beschwerung des Gewissens, daß er nicht weiß,wo aus oder ein. Am Ende aber des Psalms tröstet er sich mitder Güte, Gnade und Barmhertzigkeit Gottes, und verheifsit,daß er andere Leute auch wolle unterrichten und lehren, daß siesich sollen bekehren, fromm und gottesfürchtig werden.
Darum redet der Psalm von der Haaptquelle und Wurtzelder Sünden, nemlich, daß wir in Sünden empfangen und ge-boren sind. Solches hat David aus eigener Erfahrung gelernt,derohalben beschreibet er also die Sünde, daß er will anzeigen, dt>ß