^64 Aus dcm neunzehnten Psalm.
Wunsche übereintrifft, nothwendig lieben, loben und dasjenigerühmen muß, was in diesen Versen gerühmet wird.
Denn er stehet alsdenn, daß die Schuld und der Fehlernicht am Gesetze, sondern an seinem Willen liegt, daß das Ge-setz die Sünde hauset und Zorn anrichtet, eben dadurch, indemes unbefleckt ist, und die Seelen bekehret, weise Leute machet, er-freuet und die Augen erleuchtet. Denn wenn das Gesetz, seinerNatur nach, die Sünde Haufete und Zorn anrichtete, so thate dieLiebe eben das, welche doch eine gute Freundin von dem Gesetzeist und mit demselben in allen Stücken einerley Sinn hat. Siethut auch dieses wircklich, wo der Wille nicht darbey ist; gleichwie bey dem Gesetze niemals der Wille ist, wo die Liebe nichtzugegen ist. Denn was wirckte die Liebe Christi bey den Juden,als desto grössern Zorn und desto grössere Sünden? Also wircketauch das Gesetz bey allen Menschen Zorn, so lange ihr Hertz undWille nicht dabey ist. Das Gesetz ist aber nicht bey ihrem Wil-len, und ihr Wille nicht bey dem Gesetz, bis das Gesetz geliebetwird, und man darzu Lust und Liebe gewinnet, was das Gesetzgebeut.
V. 10. Die Furcht des Herrn ist heilig und bleibet ewiglich.Die Gerichte des Herrn sind wahrhaftig und allesammrgerecht.
Im Ebraischen Texte lautet es eigentlich: Die Furcht desHerrn ist lauter und rein.
Das neunte Stück ist demnach, daß die Furcht des Herrnrein sey; alwo die Heuchler selbst sich einbilden und erdichten,als od sie sowol Gott fürchteten, als auch, daß sie rein waren inder Furcht des Herrn, da sie doch zwiefach unrein seyn und inihren Hertzen den Herrn wircklich verachten. Die andern aber,die ihre Unreinigkeit nicht wissen, noch erkennen, die empfindenes bey sich selbst, daß sie Gott nicht fürchten, und wollten lieber,daß es ihnen frey stünde, den Herrn nicht zu fürchten, und woll-ten lieber, indem sie sich die Unreinigkeit ihres Hertzens, das Gottverachtet und ihn nicht flehet, erwählen. Diejenigen aber, welchedas Gesetz lieben, erleuchtete Augen haben und Gott erkennen,die seben, was vor eine reine Sache die Furcht des Herrn sei?;wie derjenige nichts nachlässig verabsäume, der den Herrn fürch-tet, und sich von der Sünde ablencke. Ein solcher hat seine Lustund Vergnügen an dieser Reinigkeit, weil er selbst also gesinnctist, wie es die Furcht erfordert, und mit derselben in allen Stü-cken gleichen Sinnes worden ist.