232 Aus dem neunzehnten Psalm.
Ebräischen: rein, oder auserwählt genennet wird. Denn es isteben das Wort, das im 13. Psalm, V. 26. stehet: Bey demAuserwahlten wirst du auserwahlt seyn. Vielleicht hat sie diesesdarzu bewogen, das da folget: Und erleuchtet die Augen, welchesmehr einer lichten, als auserwahlten Sache zukömmt. AndernTheils, weil sie vielleicht ein Wort nicht zweymal haben setzenwollen, da sie schon oben (V. 3.): das Gesetz ist unbefleckt, ge-braucht haben. Allein, keine von beyden Ursachen ist hinlänglich.Denn warum haben sie nicht auch dieses vielmehr also gegeben.-die Gerechtigkeit ist fröhlich, als richtig; weil darauf folget.- underfreuet die Hertzen-, oder.- das Zeugniß des Herrn ist weise, an-statt getreu, weil darauf folget: und macht weise? Also bey de-nen übrigen wird gar nicht auf die Uebereinstimmung der Ver-Uorum gesehen. Wir haben aber bereits gedacht, daß unbeflecktim Ebräischen eigentlich so viel bedeute als unschuldig, oder, wel-ches Paulus zu den Röm. 7, 12. dem Gesetze beylegt, gerecht,heilig und gut. Derowegen soll es heißen: Das Gebot des Herrnist auserwahlt.
Zum achten: Und erleuchtet die Augen. Die unwissendenHeuchler, die stoltz thun auf den Schein ihrer Wercke, die machtes in der That blind, indem sie glauben, sie waren am allermei-sten erleuchtet und sahen alles. Denn es erleuchtet, aber nichtdieser ihre Augen; die andern aber macht es gantz und gar blind,als welche sich den Haß gegen das Gesetz so weit verleiten lassen,daß sie nichts für geringer und verächtlicher halten, als das Ge-bot des Herrn, ihre Begierden aber demselben vorziehen und inihren Hertzen erwählen, ob sie auch gleich selbst aus Zwang derFurcht sich anders stellen. Denn was könnte vor eine grössereBlindheit seyn, als wenn man anstatt des auserwähltesten Ge-bots Gottes, die schandlichen Begierden, so in eben diesem Ge-bot verboten seyn, für die allerauserwähltesten und köstlichstenDinge halt? Diejenigen aber, so das Gesetz des Herrn lieben,und die Lüste für das allerschandlichste halten, die halten nichtsfür auserwahlter und köstlicher, als das Gebot des Herrn, weiles so schandliche Dinge, dergleichen die Lüste sind, nicht nur ent-decket, anzeiget, oder von dererselben Schändlichkeit ein untrüg-liches Zeugniß giebt, sondern auch sie gäntzlich untersagt, undbefiehlt, daß sie gar nicht seyn sollen. Denn darüber haben sieein Vergnügen, daß sie auf das atterschärfste verboten seyn, unddaß diejenigen Dinge, so denen Lüsten entgegen sind, auf das al-lernachdrücklichste gefordert werden. Also stimmet das auserwahlte