Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
228
Einzelbild herunterladen
 

228

AuS dem neunzehnten Psalm.

hier von dem Gesetz rühmet, von dem Heiligen Geiste, der durchdas Wort oes Glaubens uns erwärmet, muß verstanden, undihm zugeschrieben werden. Deßwegen macht er vor Freuden soviel Worte und wiederholt das Wort: Gesetz, so oft (nemlichsechsmal), und das immer mit andern Worten, und giebt ihmzwölf Beywörter; gleich als wolle er selbiges nach denen zwölfFrüchten des Baumes des Lebens loben. Und so zeiget er selbstdurch das ausserliche Geprange derer Worte dasjenige, was meiner Seele, die das Gesetz liebet und sich darüber freuet, in derThat geschieht. Denn wer das Gesetz liebet, der kann es nichtgenugsam loben, so gar wohl gefallt nun der Seele dasjenige,was ihr vorher so gar sehr mißsiel. Derowegen wollen wir die-ses alles durch einen Gegensatz durchgehen, damit wir desto leich-ter verstehen lernen, was das Gesetz ohne Geist, und der Geistohne das Gesetze in uns wircken.

Zum ersten ist das Gesetz unbefleckt durch den Glauben,nicht nur in sich selbst, oder (wie sie es nennen), okjective, dasist, in Ansehung der Sachen, damit es umgehet, sondern auchin uns, oder (wie sie es nennen), eftecUve, das ist, in Ansehungseiner Wirckung; (denn lor-mckitei-, oder seinem innerlichen We-sen und Beschaffenheit nach, ist es allezeit unbefleckt); sintemales uns sowhl zu guten und unbefleckten Leuten macht, als auchvon denen nunmehro Unbefleckten, und die gute Leute wordensevn, als ein unbeflecktes Gesetze geliebet wird, das ist, es wirdwahrhaftig erkannt, wie es beschaffen sey; aber ohne den Glau-ben macht es nicht allein nickt unbefleckte oder gute Leute, imgleichen wird es auch nicht geliebct, sondern es macht auch nochdarzu schuldige und böse Leute und wird als ein böses Gesetzegehasset. Denn das Gesetz wircket Zorn, Rom. 4, 15., und denTod, Cap. 7, 13., welchen Jedermann hasset. Es verbietet auchdie böse Lust, Cap. 7, 7., worüber jedermann gereitzet und un-willig wird, ob er sich gleich aus Furcht vor den Strafen stellet,als ob er demselben gehorsam wäre. Diese Heucheley aber wirddurch das, was folget, angegriffen und ausgehoben.

Zum andern heißt es: Das Gesetz bekehret die Seelen.Denn das Gesetz, (wie ich bereits gesagt habe), ehe der Geist dar-zu kommt, bekehret zwar die Hand, daß sie aus Furcht der Strafenicht wider das Gesetz sündige; aber es kehret desto mehr dasHertze ab, durch den Haß, welchen das Hertz gegen die Strafenhat, und durch den Unwillen, so darüber entstehet, daß seine Lüstevom Gesetz verboten sind. Es bekehret auch den Mund, die Au-