22b
Der vierzehnte Psalm.
rasenden Gottlosen vertilgen den Frommen nicht eher, als bis sieihn zuvor mit dem allerbösesten Namen geschändet haben. Dasist, was ich gesagt habe, sie verdammen ihn zum allerschandlich-sten Tode, als einen Ketzer, Jrrgeist, Aufrührer:c.
Da demnach die heilige Schrift die Sitten der Gottlosenso eigentlich abmahlet, so muß man mit allem Fleiß auf diejeni-gen acht geben, welche geneigt sind, fremde Dinge für ketzerischzu verdammen, besonders, wenn sie durch das Ansehen ihrer Per-son und ihren Namen etwas im Volcke gelten. Denn diese sindes eigentlich, die wir in diesem Verse abgemahlet finden, unddürfen nicht erschrecken vor ihrer Raserev, weil wir durch gegen-wartiges Wort Gottes vorher verwahret worden, daß diejenigenalso zu thun pflegen, die Gott nicht kennen. Vielmehr sollen wirein Mitleiden mit ihnen haben und für sie beten.
Aus dem neunzehnten Psalm.
V. 8. Das Gesetz des Herrn ist unbefleckt und bekehret dieSeelen. Das Zeugniß des Herrn ist getreu und machtdie Unmündigen oder Albern weise.
achdem der Prophet das Evangelische Amt und dessen Werckbeschrieben, welches darinne bestund, daß es die Ehre Gottes er-zahle, und durch eben dieses Wort den Glauben Ehristi pflanheund den Geist gebe: so handelt er weiter von dessen Frucht, dasist die Fülle des Gesetzes, wie sie zu den Rom. 13, 10. genennetwird: Die Liebe ist die Fülle des Gesetzes. Denn das Gesetz wirdnicht durch die Wercke, sondern durch die Liebe erfüllet, und willnicht durch die Wercke erdichtet, sondern aus Zuneigung des Her-tzens gelicbet werden. Derowegen stellet der Prophet sich vor die,so durch das Wort des Glaubens den Geist empfangen, und dar-über fröhlich worden sind, und eine Liebe bekommen haben, das-jenige zu thun, was des Gesetzes ist.
Darauf lehret er nun, wie heilig, wie gerecht und wie gutdas Gesetz sey, welches denenjenigen, so den Geist nicht haben,bitter, ungerecht und harte zu sevn scheinet, da doch die Schuld