Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
223
Einzelbild herunterladen
 

Der vierzehnte Psalm.

und rühmen es mit großer Prahlerey, als z. E. ihre Gemüths-art, ihre Künste, Thaten und moralische Tugenden (wie sie sienennen). Rühmen sie nicht dasjenige vor allen andern am mei-sten, was das allerböseste ist? Wer macht nicht aus dem Kriegs-ruhme (das ist, aus Vergiessung des MenschenblutS) die höchsteTugend unter denen Menschen ? Was sind Homerus, Virgiliusund die übrigen Poeten, so Heldengedichte geschrieben haben, an-ders, als solche Leute, die andere darzu anreihen und anflammen,daß sie auch, wie ihre beschriebene Helden, Blut vergiessen mögen?Rühmen sie nicht die blutdürstigsten und grausamsten Todtschla-ger derer Menschen, die Tyrannen, und die allergrausamstenFeinde des menschlichen Bluts und Geschlechts? Sogar, daß auchein Christenmensch in Gefahr lauft, wenn er dieser ihre Bücherliefet, daß er entweder die Begierde nach gleichem blutdürstigenRuhm zugleich mit einsaugen möge, oder ein Vergnügen findean so großen Niederlagen des menschlichen Geschlechts, wenn erdurch eine so honigsüße Beredsamkeit gekützelt wird: und dieses istum desto mehr zu besorgen, weil er durch den angeborenen Durstnach Menschenvlute bereits verderbet ist.

Der nach Gott frage. Mit diesem Wort strafet er den bö-sen Willen, gleichwie mit dem vorhergehenden die Blindheit desVerstandes. Denn wo die wahre Erkenntniß Gottes nicht ist,da ist auch nicht die wahre Liebe. Denn alle suchen nur, wasihnen angehöret, spricht der Apostel 1. Cor. 13, 5, ausgenom-men allein die Liebe, welche suchet, nicht was ihr angehöret. Unddieses Laster des menschlichen Hertzens ist weit subtiler, als daßes von einem Menschen sollte erkannt werden. Denn diesezwey Stücke: nicht verstandig seyn, Gott nicht suchen, fassen alledie Ungeheure in sich, nemlich die Gottlosigkeit, Bosheit, Unge-rechtigkeit, Lügen, weil durch diese Stücke der Gottlosen Sinnund Gewissen verunreiniget ist.

Wo ist denn nun der freye Wille? Wo sind die morali-schen Tugenden? Wo ist die Klugheit und die thatlichen Wissen-schaften, welche die Menschen in allen Dingen, die sie thun kön-nen, regieren sollen? Nemlich, sie sind Fehler der Natur, odervielmehr Gaben Gottes, welche aber durch die Fehler der Natur,das ist, durch die Blindheit des Verstandes, der nichts verstehet,und durch die Bosheit des Willens, der nicht nach demjenigen,was Gott angehöret, fraget, beflecket zum Greuel und verwerflichwerden.

V. 3. Sie sind alle abgewichen, sie sind zugleich unnütze wor-