220 Der vierzehnte Psalm.
lichkeit in dem Heiligen Geist. Älwo er hinzusetzet: in dem Hei-ligen Geist, damit nicht diese Freundlichkeit, oder Fröhlichkeit,wie es insgemein zu gehen pfleget, in eine Leichtsinnigkeit undallzuhausige Narrepossen, und in eine ungeziemte Frechheit aus-schlage, da man redet und thut, was einem einfallt, bis endlichaus der fruchtbaren Freundlichkeit des Heiligen Geistes, eineFreundlichkeit des unsaubern Geistes wird, welche den Tod brin-get. Gesetzt auch, daß aus Unwissenheit etwas sündliches (wiewir uns denn dessen immer befürchten müssen) mit eingeschlichen,so wird es doch durch den Glauben an Gott überwunden, nachwelchem wir glauben, wir gefallen Gott also, daß er uns dasje-nige, was sündlich ist, verzeihe, als er sich gegen uns also bezei-get, wie wir von ihm glauben.
Von denen offenbaren Sünden aber sage ich dasjenige, wasSprüchw. 24, 16, stehet.- Der Gerechte fallet siebenmal, undstehet eben so vielmal wieder auf; aber die Gottlosen versinckenin Unglück. Denn darinnen ist der Gerechte von denen Gottlo-sen unterschieden, daß sich der Gottlose vornimmt, Gott durchseine Wercke zu versöhnen und zu überwinden. Wenn er nunda fallt, so stehet er nimmermehr wieder auf, weil er kein anderMittel, wiederum aufzustehen, hat, als die Wercke, durch welcheer, nach seiner Mepnung, Gott bewegen kann. Der Gerechteaber weiß, Gott habe ihm seine Gnade nicht nur versprochen,und sey ihm mit selbiger zuvorgekommen, sondern er habe ihmauch vor allen Wercken befohlen, daß er an ihn glauben und aufihn hoffen solle. Und er stehet nicht deswegen vom Sündenfallwieder aus, weil er er sich auf seine Wercke stützet; er bleibetauch deswegen nicht liegen, weil er gefallen; sondern er erin-nert sich der göttlichen Verheissung und Befehls, und stellet sichseine geneigte Varmhertzigkeit vor Augen. Wie er auch selberbefohlen, dieselbe einzig und allein vor Augen zu haben, wenner gesprochen: Ich bin der Herr dein Gott. Wie David auchim 26. Psalm, V. 3 thut: Deine Güte ist vor meinen Augen,und ich wandele in deiner Wahrheit. Dahero wird er durch dasWort und Gebot Gottes unterstützt, daß er nicht mit denenGottlosen in die Sünde der Verzweifelung falle.
In dieser Sache muß man das vorher gegebene Exempel vomVater und Sohn anwenden. Denn ein Sohn, wenn er gleichgesündigt hat, so fürchtet er sich zwar vor dem Vater, aber erwirft deswegen nicht alles Vertrauen auf die vaterliche Gütigkeitweg; jedoch ist er auch willig, durch demüthige Bekenntnis seiner