Der vierzehnte Psalm.
Haupt und der Anfang aller andern Wercke sey. Wir werdengerecht durch den Glauben, welcher glaubt, Gott ist uns gewogen.Und damit wir dieses glauben mögen, so hat es uns Gott selbstbefohlen, wenn er spricht: Ich bin der Herr, dein Gott. Dusollt keinen fremden Gott neben mir haben. Wie wir aber glau-ben, so wird uns geschehen. Denn dieser Glaube wird nicht be-trogen, sondern vielmehr derjenige wird betrogen, der sich fürchtet,oder ein Bedencken machet, dieses zu glauben.
Sprichst du aber: Wie ist es möglich, daß ich glaubenkann, ich gefalle in allen meinen Wercken Gott, oder Gott seymir allezeit gewogen, indem ich ja bisweilen mit meinem Näch-sten rede, trincke, esse, lache, ja auch bisweilen schertze, und wiruns durch angenehme Reden unter einander trösten? Wie, wennich eine offenbare Sünde begehe, und einen grossen Fall thue,als durch Zorn, Geilheit, Gelüsten? Aber, wo ist der vollkom-mene Mann, der auch in keinem Worte fehlet, wie Jacobus,der Apostel, in seiner Epistel 3, 2, saget. Du lehrest ja selber,daß ein jedwedes gutes Werck seine Fehler habe; wie kann aberein Fehler Gott gefallen?
Ich antworte erstlich auf das, was die Wercke des ver-trauten Umgangs anbetrifft: Die .steuchler, welche die WerckeGottes in allzuenge Schrancken nach ihrem eigenen verdrüßlichenSinn einschliessen, sind allzuscharfe und unversöhnliche Richterüber diejenigen Wercke, welche ein ehrlicher Umgang mit sichbringt, als, daß man mit andern isset und trincket, und sich da-bey fröhlich erzeiget, scharfsinnige und artige Reden führet, lachetund auf eine anstandige Weise schertzet. Denn von Spöttereyen,Narrepossen, übermassigem Gelachter und Schandreden will ichhier gar nichts sagen, weil diese nicht einmal die von Menschenerfundenen Lebensregeln billigen. Weil wir aber das Leben nichtkönnen hinbringen, daß wir nicht mit einander umgehen, essenund trincken müßten: so mußt du gewiß glauben, daß auch die-ses Gott wohlgefalle, wenn du deinen Bruder mit einem fröhli-chen Gesichte anredest, mit einer angenehmen, lächelnden Mieneihn zu dir ladest, auch bisweilen mit einer artigen und scharfsin-nigen Schertzrede dich belustigst. Denn dieses ist die Freundlich-keit, welche uns Paulus, Gal. 5, 22, anpreiset, welche man einenangenehmen und liebreichen Umgang nennet, und welchen unseben der Apostel, 2 Cor. 6, V. 4, zu beweisen besiehlct, wenner spricht: In allen Dingen lasset uns beweisen als die DienerGottes in großer Geduld; und weiter unten V. 6: In Freund-