Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
218
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Der vierzehnte Psalm.

Vers 12: Schaffe in mir Gott ein reines Hertz, und gied mireinen neuen gewissen Geist- Und im 19. Psalm, V. 14- Wenndie Stoltzen nicht über mich herrschen werden, so werde ich ohneWandel scyn, und unschuldig bleiben der größten Missethat.

Die Sünde des Unglaubens ist sehr schwer und unter allendie natürlichste. Ja, daß sie von Natur selbst eingepflantzet sey(ob es gleich davon im 116. Psalm, V. 1l, Heisset: Alle Men-schen sind Lügner), kann der Mensch an sich selbst nicht erkennen;aber die Sünde des Fleisches, des Diebstahls, des Todtschlagsund menschlichen Aufruhrs kann er leichte an seinem subtilemTheile, nemlich der Seele und dem Verstände, wahrnehmen, weilsie an seinem groben Theile, an der Sinnlichkeit und dem Leibe,ausgeübet wird. Hingegen aber die Seele empfindet ihren Feh-ler, der ungleich grösser ist, und den Balcken in ihrem Auge nicht;dahero stehet sie die Warze an ihrem Leibe leichte. Wie denndieses die Art ist derer Heuchler, und aller derer, die am Geistenicht rein sind, bis sie durch starcke und geistliche Gefährlichkeitendes Todes und der Hölle geprüfet werden, wie man im Sprich-wort saget: Der Kalck ist so lange kalt, bis er mit Wasser be-gossen wird. Daher sagt der weise Sirach recht, Cap. 10, 14,15: Der Anfang, oder das Haupt der Sünde, oder vielmehrdie höchste Sünde, ist, wenn ein Mensch von Gott abfallt. Wassind also viel gute Wercke anders, ohne Glauben, als (wieChristus spricht, Matth. 25, 2 7.), übertünchte Graber, welcheinwendig voller Todtenbeine, Unflaths und Untugend seyn.

Derohalben, gleichwie der Unglaube die Quelle alles Bösenist, welcher kein gutes Werck geschehen laßt, oder, wenn es auchgeschieht, es bestecket, und zu allen Sünden geneigt machet: alsoist hingegen der Glaube die Quelle alles Guten, welcher kein Bö-ses geschehen laßt, oder, wenn es ja geschicht, es alsobald hinwegnimmt und reiniget, und zu allen guten Wercken willig machet.Daher haben Adam und Eva, sobald sie durch Unglauben gesün-diget hatten, auch sogleich die unkeusche Lust, als eine Fruchtdesselben, in ihren Gliedern empfunden. Hingegen heißt es Ioh.7, 58: Wer an mich glaubet, wie die Schrift saget, von dessenLeibe werden Ströme des lebendigen Wassers fliesten. Und 2.Tim. 2, 19: Es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Na-men Christi nennet.

Derowegen sollen wir das veste behalten, daß das erste Ge-bot gleichsam das Haupt und Anfang aller andern Gebote sey,und daß das Werck des Glaubens, welches dieses erfordert, das