Druckschrift 
4 (1827)
Entstehung
Seite
210
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Der sechste Psalm.

und thate es auch, wenn er es thun könnte, ja, ist bereit, auchnoch wohl grössere Dinge zu geloben und zu thun. Darum, seligsind, die da Leide tragen, denn sie sollen getröstet werden, Matth.5, 4, nemlich die, die sich selbst richten, weinen und demüthigen,auf daß sie ja diese Anfechtung nicht tragen noch leiden dürfen,wie St. Paulus sagt, 1. Cor. 11, ZI: So wir uns selber rich-ten, so werden wir nicht gerichtet, zc. Was sonst hier zu sagenist, wird die Erfahrung selbst geben und mitbringen.

V. 8. „Meine Gestalt ist verfallen vor Trauren und ist altworden, denn ich allenthalben geängstiget werde.

Mit diesen Worten will der Prophet anzeigen, daß biß dieKraft scy dieses Kampffes, daß dadurch verwandelt werde dasgantze Angesicht und Gestalt des Menschen, welches kein Wun-der ist, sintemal solche Angst des Todes und der Hölle beide, dieGebeine, Blut und Marck verzehret. Darum spricht er, daß erdavon gantz bleich und ungestaltet werde.

V. 9. „Weichet von mir alle Uebelthater, denn der Herr höretmein Weinen."

Da nun der Prophet in dieser grossen Anfechtung und Za-gen unterwiesen war, und gelernet hatte, daß man alleine aufGottes Güte trauen sollte, und daß keine Gerechtigkeit genugwäre, und wußte nun, wie die, so mit dieser Anfechtung nichtgeangstet sind, viel narrisch und gottlos Ding unter dem Scheineines gottseligen Wandels lehreten und thaten, fahret er sie zor-niglich an, schilt sie ernstlich und heißt sie von ihm weichen. Dennes unverschämte Leute sind und in diesen Anfechtungen unerfah-ren, wollen sonst alle Welt lehren, sind Blinde und Blindenlei-ter, Matth. 15, 14, lernen immerdar, und können nimmermehrzu der Erkenntniß der Wahrheit kommen. 2 Tim. Z, 7.

V. 10. Der Herr Hörer mein Flehen, mein Gebet nimmt derHerr an.

Diese Worte hier zeigen genugsam an, wie er geschickt istim Hertzen, und wie seine Gedancken stehen, nemlich, daß er ihmmit grosser Mühe Gottes Barmhertzigkeit vor die Augen setzet,welche er entgegen hält dem schrecklichen Bilde der Sünde, desTodes und der Hölle. Denn weil es gewiß ist, daß der Prophetin Hoffnung und im Geiste redet, und doch noch nicht vor Gottmit gegenwärtigem Angesichte stehe: so ist es gleich mit auch ge-wiß, daß er aus Hoffnung selig gemacht sey und aus HoffnungGottes Gnade erlanget habe, darzu auch durch Hoffnung getrö-stet sey, welcher er alles rühmet und verkündiget, auf daß er die