Der sechste Psalm. 209
du gelobet, gepreiset und geliebet werdest ewiglich. Aber du kannstnicht gelobet werden, es wird auch die Güte und Barmhertzigkeitnicht gepreiset, es seyn ihrer denn, die du von dem Tode errettest,und denen du aus der Hölle helfest. Also stehet auch im GebetManasse, des Königs Inda, V. 15, 16: Du wollest mir Un-würdigem helfen nach deiner großen Barmhertzigkeit, so will ichmein Lebenlang dir loben; denn dich lobet alles Himmelsheer, unddich soll man preisen immer und ewiglich. Amen.
V. 6. Denn im Tode gedencket man dein nicht, wer will dirin der Höllen dancken?
Was ist denn nun im Tode und in der Hölle? Erstlich istGottes allda vergessen, darnach ist eine ewige Gotteslästerung da;denn da regieret mit einer unordentlichen, wüsten, verwirretenSorge sein selbst Liebe und Sorgfältigkeit. Darum kann solcheLiebe und Sorge Gottes Güte und Barmhertzigkeit nicht vorAugen haben; denn sie sucht eine Ausflucht, aber sie findet keine.Da kommt denn alsbald ein sehr hefftiger Haß wider Gott; dabegehret der Mensch erstlich einen andern Gott, darnach wollteer, daß selbst der Mensch nicht wäre. Und also lästert er dieMajestät, und wollte, daß sie auch nicht wäre. Und wenn erkönnte, brächte er es gerne zuwege, daß sie nicht wäre. SolcheFlucht und Feindschaft währet ewig. Da wird denn dieser Spruchdes ersten Psalms, V. 4, wahr, daß die Gottlosen seyn, wie dieSpreu, die der Wind verstreuet; sie wollten gerne fliehen, undkönnen nicht entfliehen. Folget weiter.-V. 7. „Ich bin so müde vor Seufzen, ich schwemme meinBette die gantze Nacht, und netze mit meinen Thranenmein Lager."
Dieser Vers bezeuget genugsam, wie erschrecklich dieserKampf des Todes und der Hölle sev, daß er auch von unmögli-chen Dingen sage und gelobe, auf daß er von solcher Angst mögteerrettet werden. Siehe doch, mit wie viel Anzeigungen und Zei-chen ein solcher, der mit so viel Thränen und Seufzen um gehet,an Tag giebt das Creutz und die Angst dieses jammerlichen Kampf-fes, daß er auch lieber wollte alles Unglück dieser Welt an dessenstatt leiden.
Diejenigen, so etwa in plötzlicher Gefahr des Todes gewesensind, die mögen etlichermaassen verstehen und fühlen, was diesesVerses Meynung sey. Aber wenn der rechte Kampf des Todesund der Höllen angehet, da kann man leichtlich von einem Men-schen ein solch Gelübde fordern; ja er selbst setzet ihm solches für,IV. 14
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